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Interviews
Kinder lesen für die ZukunftInterview mit Michael KortländerPresseAnzeiger: Sie setzen sich dafür ein, dass Kinder mehr lesen und dabei gefördert werden sollen.Haben Kinder die Freude am Lesen verloren und warum wäre das so? Michael Kortländer: LegaKids setzt sich insebsondere dafür ein, dass alle Kinder die bestmöglichen Vorraussetzungen bekommen, damit sie überhaupt lesen können. Zu viele Kinder verlieren schon in der ersten oder zweiten Klasse den Spaß an den Buchstaben, weil das pädagogische Angebot die individuellen Lernwege und verschiedenen Lerngeschwindigkeiten der Kinder unberücksichtigt lässt. Das ist letztlich ein strukturelles Schulproblem, kein Problem der Lehrkräfte allein. PresseAnzeiger: Sind manche Eltern schlechte Vorbilder oder muss die Schule die Leselust mehr fördern? Michael Kortländer: Nein, den Eltern können wir auch keinen Vorwurf machen, vielleicht vereinzelt, aber nicht den Eltern insgesamt. Berufliche Zwänge, Existenznöte, zu geringe eigene Lesekompetenzen - viele Gründe könnten wir ins Feld führen, wollten wir die Lesemüdigkeit erklären.Natürlich könnte und sollte das abendliche Vorlesen fester Bestandteil in jeder Familie werden. Das regt im Übrigen nicht nur Kinder an, sondern stärkt auch die geistige Beweglichkeit der Eltern und Großeltern enorm. Da kann man sich das viele Geld für die ganzen Gehirnjogging-Programme sparen, deren Nutzen ja ohnehin umstritten ist. PresseAnzeiger: Sie haben auch eine Petition eingereicht für ein Recht auf Lesen. Dabei fordern sie unter anderem individuellere Förderung und eine bessere Ausbildung der Grundschullehrer.Wie sind ihre Hoffnungen an die Regierung, dass dieses umgesetzt werden kann? Michael Kortländer: Dem Problem einer unzureichenden Lesekompetenz muss in der Grundschule mit höchster Priorität begegnet werden. Um Lehrkräften das nötige Verständnis und Rüstzeug zu geben, brauchen sie eine solide, gründliche Ausbildung. Ferner ist zu fordern, dass Kinder mit Lernschwierigkeiten in ihrer Schule einen Anspruch auf individuelle Förderung durch spezielle Förderkräfte haben. Schulische Bildung ist in der Bundesrepublik Ländersache, so dass wir mit der Initiative "Recht auf Lesen" an jedes Bundesland herantreten und sicher unterschiedliche Resonanz erfahren werden. Es ist bekannt, dass Jugendliche mit geringer schriftsprachlicher Kompetenz nur geringe Chancen haben, einen Beruf zu erlernen. Dadurch entstehen Arbeitslosigkeit, erhöhte Anfälligkeit in Kriminalität zu gleiten, verstärkter Drogen- oder Alkoholkonsum, ein allgemein schlechteres Gesundheitsniveau und andere "Folgeschäden". Das alles verursacht für die Gesellschaft, also den Steuerzahler, hohe Kosten, die in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen, die für eine engagierte und kompetente frühe Leseförderung anfallen würden. Dessen sollten sich die Bildungpolitiker bewusst sein.
Seite 1 von 2 - lesen Sie weiter > Datum: 03.11.2009
Vervielfältigung, Abdruck und Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher und schriftlicher Genehmigung. Zitieren mit Quellenangabe ist genehmigungsfrei. |
Pressemitteilung von:
Dr. Britta Büchner & Michael Kortländer
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