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Kleine Partei will hoch hinaus

Interview mit Jörg Gastmann

PresseAnzeiger: In einer von Ihnen in Auftrag gegebenen nicht repräsentativen Umfrage wurde Guido Westerwelle als korruptester und dekadentester Politiker bezeichnet.Nach den jüngsten Ereignissen war das Ergebnis abzusehen, wollen sie so vor den Landtagswahlen in NRW auf sich aufmerksam machen?

Jörg Gastmann: Vom Kaninchenzüchterverein bis zu politischen Parteien, von Zeitungen bis zum Statistischen Bundesamt - bei Umfragen geht es immer um 2 Dinge: Um das Thema und die Organisation, die es in die Öffentlichkeit bringt. Es wäre unseriös, wenn eine Partei abstreiten würde, nicht jedes erdenkliche Thema für einen Wahlkampf nutzen. Und Wahlkampf ist immer, nicht nur jetzt in NRW. Allerdings ist das Thema der wichtigere und interessantere Punkt. Wir Bundesbürger leben unter einem Vizekanzler, der die Gesellschaft spaltet. Er legt überall Brände und treibt Keile zwischen Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose, zwischen Arm und Reich, zwischen soziale Menschen und seine „Jeder-ist-sich-selbst-der-Nächste“-Klientel. Wir befinden uns in einer Situation, wie sie Max Frisch in „Biedermann und die Brandstifter“ beschrieb. Ich musste schmunzeln, als Sie sagten, daß das Ergebnis abzusehen war. Bestreitet außerhalb der FDP irgendjemand, daß Westerwelle und FDP bei der Bevölkerung als die korrupteste und dekadentesten Politiker bzw. Partei gelten? Allerdings hat mich überrascht, daß das Ergebnis nicht noch drastischer war. Und überrascht hat mich vor allem, daß 11% der Befragten Frau Merkel für die korrupteste Politikerin halten. Frau Merkel halte ich überhaupt nicht für korrupt, jedoch für komplett ratlos. Sie sagte ja selbst: „Auf die eigentlich bedrängenden Fragen haben wir keine Antworten.“ Aber zurück zur FDP, für die wir uns schämen, weil sie aus der ddp heraus entstanden ist: Wenn man seit Graf Lambsdorff die Spendenskandale und lobbyistenfreundliche Politik der FDP sowie die Nebeneinkünftequellen von Herrn Westerwelle und Co. betrachtet und dann wie die alten Römer „cui bono?“, also „wer profitiert?“ fragt, wird offensichtlich, wessen Interessen die FDP vertritt. Über die Korruption von FDP und Union gibt es ganze Bücher, z.B. „Die korrupte Politik“ von Stern-Reporter Hans-Martin Tillack oder „Skandal FDP“ vom Ex-FDP-Wahlkampfmanager Fritz Goergen. Wenn endlich genug Wähler wüssten, wie diese Parteien ticken, würden sie nirgends mehr die 5%-Hürde schaffen. Und wenn die Wirtschaft endlich realisieren würde, daß durch die Zerstörung der Massenkaufkraft niemand wirtschaftsfeindlicher ist als die FDP, würden auch sie diese Partei fallen lassen. Wir bieten Menschen und Wirtschaft eine Alternative, einen echten Systemwechsel.

 

PresseAnzeiger: Die deutsche demokratische Partei will in NRW antreten. Wie laufen die Vorbereitungen und was für Anteile rechnen sie sich aus?

Jörg Gastmann: Momentan sammeln wir noch Unterschriften, um (wie alle kleinen Parteien) überhaupt auf dem Wahlzettel abgedruckt werden zu dürfen. Damit sind wir Ende nächster Woche fertig, dann folgt das Zulassungstribunal des Landeswahlausschusses (bei dem Beauftragte der Regierungsparteien entscheiden, welche kleinen Parteien ihnen Konkurrenz machen dürfen), und danach beginnt der Wahlkampf. Wie wir abschneiden, hängt vor allem von den Medien ab. Werden wir (wie alle kleinen Parteien) von den Medien totgeschwiegen, freuen wir uns über 0,05%. Berichten die Medien so viel über uns, daß jeder Wahlberechtigte zumindest ein einziges Mal auf unsere Website schaut und kritisch über unser Programm nachdenkt, schaffen wir problemlos die 5%-Hürde. Mehr ist noch nicht machbar, weil unser Programm zu neu ist und zu viele Tabus bricht. Wir sagen z.B., daß Wachstum keine Lösung sein kann, weil ewiges Wachstum in einer endlichen Welt überhaupt nicht möglich ist. Wir sagen, daß Personalkosten so hoch wie möglich sein müssen, denn Personalkosten sind die Kaufkraft, von der die gesamte Wirtschaft abhängt – und die Zwickmühle der globalen Kostenkonkurrenz können wir dabei auch auflösen. Wir sagen, daß Produktivitätssteigerungen nicht die Lösung, sondern eine Hauptursache für Arbeitslosigkeit ist, weil Arbeitgeber zu Herstellung der Produkte, die sie am Markt absetzen können, immer weniger Arbeitnehmer benötigen. Wir sagen, daß unsere Exporterfolge ein Riesenproblem sind, u.a. weil sie durch Lohnverzicht entstehen, die Dritte Welt plündern und uns von labilen Staaten abhängig machen. Mit unserem Angriff auf viele verkrustete Denkmuster sind wir unserer Zeit noch zu weit voraus. Mit der Zeit denken jedoch immer mehr Menschen darüber nach und stellen fest, daß unsere Analysen zutreffen und unser Programm die existentiellen Probleme unserer Gesellschaft tatsächlich lösen kann. Dann kommen wir von der Avantgarde zum Mainstream. Deshalb schaffen wir vielleicht schon 2013 den Einzug in den Bundestag, und 2017 könnten wir Regierungspartei werden. Wenn man bedenkt, daß seit 1949 von über 500 kleinen Parteien bis auf eine (die Grünen) alle gescheitert sind, klingt das vermessen, zumal es keine Chancengleichheit mit großen Parteien gibt. Aber jeder, der unser Programm und die Seite bandbreitenmodell.de gelesen und gedanklich verarbeitet hat, stimmt dieser Perspektive zu.

 

PresseAnzeiger: Auf ihrer Seite prangt der Slogan:"Die einzige Partei, mit der Sie etwas erreichen können!" und "den Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit" Ist das nicht ein bisschen überheblich und plakativ?

Jörg Gastmann: Nein, weil es wirklich zutrifft. Diese Sätze bleiben so lange stehen, bis sie jemand widerlegen kann, und daran ist bisher vom Marktradikalen bis zum Sozialisten noch jeder gescheitert. Unter ddp-partei.de/handlungsdruck finden Sie 12 der existentiellen Probleme, von denen jedes einzelne unsere Gesellschaft zerstört. Von Staatsverschuldung bis zum Auseinanderreißen der Schere zwischen Arm und Reich, vom Rentensystem bis zur Abhängigkeit vom Öl: Überall nur Ratlosigkeit. Frau Merkel sagte z.B. zum Kindermangel und Rentenproblem: „Wer weiß, wie dem demografischen Wandel erfolgreich zu begegnen ist, den beglückwünsche ich.“ Keine andere Partei kommt über Forderungen heraus. Selbst gute Absichten scheitern an der Frage, wie man sie finanzieren soll. Unter ddp-partei.de/steuersystem finden Sie eine Tabelle, in der wir ganz konkret vorrechnen, wie wir unverzichtbare Lösungen finanzieren, die heute noch als utopisch gelten. Die ddp kann tatsächlich alle existentiellen Probleme unserer Gesellschaft lösen. Understatement ist hier fehl am Platz. Um in unserer reizüberfluteten Welt auch nur eine theoretische Chance zu haben, wahrgenommen zu werden, muß man leider plakativ sein.

 

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Datum: 04.03.2010


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