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Selbsthilfe Netzwerk Pro Pflege über Pflegeeinrichtungen

Interview mit Werner Schell

PresseAnzeiger: Herr Schell, Sie engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Bereich Pflege. - Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Werner Schell: Als langjähriger Dozent für Pflegerecht bin ich mit der Qualifizierung von Pflegekräften in Aus-, Fort- und Weiterbildung bestens vertraut und muss mich zunehmend damit befassen, Anspruch und Wirklichkeit in den verschiedenen Pflegesystemen (Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen) zu beleuchten. In diesem Zusammenhang war es nicht schwer zu erkennen, dass sich die Pflege-Rahmenbedingungen durch gesetzgeberische und sonstige Vorgaben so entwickelt haben, dass wirklich gute Pflege nicht mehr gewährleistet werden kann. Allein in den Krankenhäusern wurden in den letzten 10 Jahren – durch seriöse Studien belegt – mindestens 50.000 Stellen für Pflegekräfte abgebaut, obwohl die Arbeitsbelastung aufgrund der eingeführten Fallpauschalenregelung deutlich zugenommen hat. In den Heimen bestehen bundesweit unterschiedliche Stellenschlüssel, die den pflegerischen Bedarf nicht annähernd abdecken. Folglich ist von einem Pflegenotstand auszugehen. Dabei ist der zukünftige Fachkräftemangel, der sich durch die demografische Entwicklung ergeben wird, noch nicht mit berücksichtigt. Ziel meiner Arbeit als ehrenamtlicher Interessenvertreter für pflegebedürftige Menschen ist es nun, auf die zuständigen Parlamente und Ministerien einzuwirken, damit dieser pflegerische Missstand schnellstens behoben wird. Aufgrund dieser Absichten wurden vor einigen Wochen dem Deutschen Bundestag von Pro Pflege Selbsthilfenetzwerk umfangreiche Vorschläge zu reformerischen Maßnahmen übermittelt. Diese Stellungnahmen können bei Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk gegen Selbstkostenerstattung angefordert werden.

 

PresseAnzeiger: Was sind die Aufgaben von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk?

Werner Schell: Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Personen, Vereinen und sonstigen Institutionen, die sich eine an der Menschenwürdegarantie (Artikel 1 und 2 Grundgesetz) ausgerichtete Verbesserung der Pflege-Rahmenbedingungen und die Sicherung einer nachhaltigen Finanzierung des Pflegesystems zum Ziel gesetzt haben. Damit dient das Netzwerk der Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege und arbeitet im Sinne der einschlägigen Vorschriften gemeinnützig bzw. unabhängig. Das Netzwerk versteht sich als Lobby (Interessenvertretung) für pflegebedürftige und behinderte Menschen (Patienten) bzw. ihrer Rechtsvertreter / (pflegenden) Angehörigen und ist bei Bedarf um Beratung und Hilfe bemüht. Dabei nimmt die Selbsthilfe einen herausragenden Stellenwert ein. Die Unterstützung bzw. Veranlassung von entsprechenden Selbsthilfeaktivitäten, z.B. regelmäßige Pflegetreffs, Gesprächskreise und sonstige Gruppentreffen, ist eine wichtige Aufgabe. Dabei stellt das Netzwerk seine Aktivitäten vor allem auf die Bedürfnisse der dementiell erkrankten Personen (= geriatrische Einschränkungen) ab (vgl. u.a. §§ 20 SGB V und 45d SGB XI). Die demografische Entwicklung verdeutlicht, dass für dementiell erkrankte Menschen erheblicher Hilfe- und Unterstützungsbedarf besteht. Das Netzwerk tritt darüber hinaus für eine deutliche Verbesserung der Pflege-Stellenpläne (in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen) ein, weil nur eine ausreichende Zahl von Pflege(fach)- und sonstigen Betreuungskräften die allseits gewünschte Zuwendung einschließlich Begleitung in schwierigen Situationen (z.B. palliativmedizinisch/pflegerische Betreuung, Sterbebegleitung) gewährleisten kann. Das Netzwerk erwartet angesichts der verfassungsrechtlichen Wertevorgaben, dass die „Charta der Rechte hilfe- und pflegedürftiger Menschen“ uneingeschränkte Anerkennung und Beachtung findet und setzt sich dafür ein, dass diesem Gebot Geltung verschafft wird. Das Netzwerk tritt dafür ein, dass vorhandene bzw. noch auftretende Missstände im Gesundheits- und Pflegesystem von den jeweils (Mit)Verantwortlichen angesprochen werden können (Beschwerdemanagement), ohne dass insoweit Nachteile (z.B. Mobbing, Kündigung) entstehen dürfen. Eine gesetzliche Vorschrift, die diesen Bedürfnissen Rechnung trägt, wird als zwingend notwendig erachtet. Das Netzwerk nimmt zur Erreichung seiner Aufgabenstellung auf den politischen Bereich in Bund, Ländern und Kommunen (Parteien, Parlamente, Ministerien usw.) Einfluss bzw. gibt die als geboten erscheinenden Statements ab und bietet - soweit gewünscht und möglich – konstruktive Mitarbeit (z.B. in Gesundheitskonferenz, Pflegekonferenz, Arbeitsgemeinschaften) an. Das Netzwerk macht im Übrigen durch eine geeignete Öffentlichkeitsarbeit auf die erforderlich erscheinenden Reformnotwendigkeiten im Gesundheits- und Pflegesystem aufmerksam und drängt durch geeignete Vorschläge auf die notwendigen Reformen. BürgerInnen und Institutionen, die das „Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk“ unterstützen möchten, sollten sich mit einer entsprechenden Interessensbekundung (per E-Mail oder per Post) an den o.a. Ansprechpartner wenden und auch gerne konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten aufzeigen.

 

PresseAnzeiger: Welche Mängel treten in deutschen Pflegeeinrichtungen auf?

Werner Schell: Grundsätzlich ist es so, dass zwischen einem pflegebedürftigen Menschen und einem Heimträger ein Vertrag geschlossen wird, der in vielfältiger Weise Verpflichtungen auslöst. Der Heimträger ist vorrangig in der Pflicht, dem Bewohner zum Beispiel eine Pflege zu gewährleisten, die dem Sorgfaltsgebot der §§ 276, 278 BGB gerecht wird. Es ist dabei immer diejenige Sorgfalt geboten, die der pflegebedürftige Mensch vom ordentlichen, pflichtgetreuen Personal in der konkreten Situation erwarten kann. Sorgfältiges Pflegehandeln muss dem allgemein anerkannten Stand der medizinisch-pflegerischen Erkenntnisse (= wissenschaftlich-professionelle Standards) entsprechen. Pflege, die diesen Grundsätzen nicht gerecht wird, ist zwangsläufig mängelbehaftet. Diese Art der Pflege tendiert dahin, dem zu Pflegenden körperlichen bzw. seelischen Schaden zuzufügen und kann folglich nicht hingenommen werden. Die qualitätsgesicherte Versorgung der Heimbewohner wird vornehmlich von der Heimaufsicht bzw. dem Medizinischen Dienst überwacht. Diese Überwachungstätigkeit findet ihren Niederschlag in Prüfberichten, in denen u.a. ermittelte Fehler aufgelistet werden. Dazu gehören zum Beispiel Ernährungsmängel, Durchliegegeschwüre, Stürze, Medikationsfehler, vermeidbare Fixierungen und mangelhafte Aufsicht.

 

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Datum: 29.08.2011


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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative
Vorstand: Werner Schell
Harffer Straße 59, 41469 Neuss
Telefon 02131 - 150779
E-Mail:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

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