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Rumänischer Musicalerfolg setzt Maßstäbe - 11. Internationales Theaterfestival Butrint, Albanien

Dem westlichen Kulturtourismus weitgehend unbekannt hatten im Süden Albaniens vom 17.-22. Juli zum 11. Mal die Veranstalter des Internationalen Theaterfestivals Butrint 2000 zum Openair in die mehr als 2300 Jahre alte griechischen Stätte geladen.


Butrint 2000, Festivalausgabe 2010

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Nur wenige Kilometer von der griechischen Insel Korfu und etwa 300 km von der Hauptstadt Tirana entfernt kann nur der wirklich hartnäckige Kulturtourist diesen antiken Ort erreichen. Die Straßen durch das "Land der Skipetaren" führen entweder über gewagte Serpentinen durch die Berge Albaniens oder über Schotterpisten, denen lediglich die ebenfalls antiken "Libanon-Taxen" aus den 70er und 80er Jahren trotzen. Der bequemere Weg führt über Korfu und eine mehrmals täglich verkehrende Fähre an diesen verwunschenen Ort, dessen Gebäude und Theater einstmals durch einen Kanal direkten Zugang zum Meer besaßen und schon damals einen Platz der Rekreation ausmachten.

Hat der Kulturhungrige die nahe gelegene Stadt Saranda, in der sich alle Bausünden der Nachkriegszeit im europäischen Westens geballt zu wiederholen, ja sogar bei weitem übertroffen scheinen angestellt zu haben, hinter sich gelassen, so nimmt er die 21 km über "Stock und Stein" gerne in Kauf, um allabendlich während der 5 -10 Tage dauernden Spielzeit die speziellen Produktionen, die Festivalchef Alfred Bualoti und sein Partner Edmond Xhumari eingekauft haben, im stets gefüllten Rund von 700 Plätzen zu genießen. Eintritt wird nicht erhoben, man will die jährliche Veranstaltung wie ein pädagogisches Programm an diese "Außenstelle" des albanischen Landes an die Bevölkerung bringen. Und so sitzt der Besucher im gemeinsamen Rund mit Jung und Alt aus der ländlichen Nachbarschaft, die allabendlich mehrere Kilometer weite Fußweg in Kauf genommen haben, um das anzuschauen, was es ansonsten hier nicht gibt: Theater.
Man begrüßt sich lautstark, auch während der Vorstellungen. Es wird geredet und geraucht, die Großmutter hat für die Enkelkinder Getränke und Verpflegung mitgebracht. SMS werden verschickt, denn man muss ja schließlich berichten, was es zu hören und zu sehen gibt. Theater zu verstehen läuft über die Schiene emotionaler Empfindungen, was schon einmal dazu führen kann, dass ganz spontan applaudiert oder auch lautstark kommentiert wird. Wenn's allzu schlimm wird, dann muss der örtliche Polizist schonmal für Ruhe und Ordnung sorgen, und wenn's nicht gefällt, dann bringt man dies zum Ausdruck, indem man einfach aufsteht und geht.

Kultur in die abseits gelegene Provinz zu bringen und trotzdem Niveau zu bewahren, haben sich die beiden Veranstalter seit Beginn im Jahr 2000 auf die Festivalfahne geschrieben. Das albanische Ministerium für Tourismus, Kultur, Jugend und Sport im Verbund mit dem Nationalcenter Mediterranen Theaters, dem Nationalpark Butrint, haben diese Chance erkannt und begriffen, dass nur durch Qualität ein derartiges Unterfangen nachhaltig gelingen kann. Ein positiver Gegenpol zum architektonischen Wildwuchs von Häusern, Hotels und den dazwischen befindlichen Bauruinen, die wohl ohne städteplanerische Vorgaben oder Baugenehmigungen entstanden zu sein scheinen. Natur- und Umweltschutz tun sich hier schwer, eine Schande für dieses Land mit langer Küste und unendlichen Gebirgen, die schon vor Urzeiten abgeholzt wurden und sich bis heute schwer renaturieren lassen. Um so mehr zählt, was das Internationale Theaterfestival Butrint 2000 bei schmalem Budget zu bieten im Stande ist.

Shakespeares Mitsommernachtstraum des bekannten St. Petersburger "Vera Komissarzhevskaya-Theaters" eröffnete den farbigen Reigen mit äußerst qualifizierten und leidenschaftlichen Darstellern in einer rasanten Regiearbeit des Bulgaren Alexander Morfov, zugleich Ehrenpräsident der Festival-Edition 2010. Ibsens Peer Gynt in der gekürzten beinahe dreistündigen Fassung von Slobodan Unkovski des Albanischen Theaters Skopje-Mazedonien, dem Nationaltheater des Kosovo, stellte die Festivalbesucher auf eine harte Probe. Elektra des Sophokles in der Regie von Adonis Filipi, ein heimischer Beitrag des Albanischen Staatstheatres, Tirana, hielt den Level und begeisterte natürlich die Einheimischen besonders. "Chopin's Nocturne", ein Beitrag aus Polen fand ausnahmsweise und auch ganz zu recht außerhalb der antiken Stätte im Ambiente einer ehemaligen Burg statt, in der ein Openair-Restaurant zum Verweilen einlädt: Tafelmusik zwischen den einzelnen kulinarischen Akten.

Den Höhepunkt des diesjährigen Festivals bildete unbestritten Rumänien mit der Staatlichen Opereta aus Bukarest. In einer Adaption des Musicals "Romeo und Julia" von Gérard Presgurvic und der Inszenierung des Ungarn Miklós Gábor Kerényi (Chef des Budapester Operettentheaters und erfolgreicher Unternehmer in Sachen osteuropäischen Musicalsexports unter dem Label KERO) wurde dem antiken Openair-Theater Ultimatives abverlangt. Große Lastkraftwagen mit Licht und Technik und eine Mannschaft von 72 Köpfen arbeiteten zwei Tage und Nächte, um dem Festival und seinen Besuchern ein unvergessliches Erlebnis zu offerieren, eines, das in der elfjährigen Spielzeit seinesgleichen suchen sollte. Schon seit der Ankunft im Festivalhotel änderte sich die Stimmung grundlegend. Übersprudelnde Lebensfreude hatten die Sänger und Techniker aus Rumänien mit nach Albanien gebracht. Südländischer Charme hatte in die Stadt Saranda Einzug gehalten. Opereta-Chef Razvan Dinca nahm kurzfristig den beschwerlichen Weg auf sich und erwartete ebenso gespannt, was da kommen werde. Und endlich war es so weit. Die Bühne des antiken Theaters, von Licht-und Tontechnik eingerahmt, war in Nebel gehüllt, und das 2,5stündige Musikdrama nahm seinen Lauf.



Wohl kaum einer der Besucher hatte eine derartige Großproduktion erwartet und ungebremste Begeisterung machte sich schon während des ersten Auftritts des wohltrainierten Corps de Ballet breit. Die stimmliche Qualität ließ nichts zu wünschen übrig. Erstklassiges Stimmmaterial bis in die kleinste Nebenrolle zeichnete diese Vorstellung aus. Licht- und vor allem Tontechnik taten das Ihre dazu und lieferten den optisch-akustischen Teppich für ein rundum großartiges Openair-Erleben. Sämtliche darstellenden Rollen lieferten in Bestbesetzung ein akustisch-optisch vollendetes Musical-Menü. Die immer junge Geschichte der beiden Kinder verfeindeter Familien, die in Liebe zueinander finden und wegen dieses Zwistes gemeinsam den Tod finden, entwickelte sich am Südzipfel Albaniens zu einem Feuerwerk, das wohl noch lange nachleuchten und ein positives Licht auf die Opereta Bukarest und Rumänien im Ausland werfen wird.

Schwierigste Umstände bilden seit elf Jahren die Hürde, die Festivalveranstalter, Teilnehmer und Besucher überwinden müssen. Allen gilt das Lob dieser Zeilen mit Bravour jeweils eine Meisterleistung vollbracht zu haben. 2012 soll erstmalig auch eine deutsche Beteiligung stattfinden, die auf albanische Bitte hin das KulturForum Europa anstoßen wird.

Fotos: Christian Bauer

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Butrint 2000, Festivalausgabe 2010
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24.07.2010 17:48

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