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Debatte über Leiharbeit: Demokratische Mitbestimmung als Folklore

Hamburg, den 30. Oktober 2008 Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen: Sie stieg von wenigen Zehntausen Anfang der 1980er auf etwa 330.000 im Jahr 2003. Seitdem hat sie sich noch einmal mehr als verdoppelt.


Im Jahr 2007 wurden weit mehr als 700.000 Menschen zeitlich begrenzt durch die Vermittlung von Agenturen in Unternehmen eingesetzt.

Befürworter und Kritiker der Leiharbeit debattieren in diesem Zusammenhang auf einer rein ökonomischen Ebene. Der Wissenschafler Oliver Decker weist im Gespräch mit dem Recherche-Portal NPD-BLOG.INFO, welches sich mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Einstellungen beschäftigt, auf die Auswirkungen durch die Leiharbeit auf das Betriebsklima und auf den einzelnen Leiharbeiter hin – besonders im Hinblick auf die Möglichkeiten der Mitbestimmung.

“Die Formulierung von gemeinsamen Interessen und der Versuch diese auszuhandeln - so wie es das Betriebsverfassungsgesetz vorsieht - wird erschwert, wenn nicht verunmöglicht”, so Decker, “weil diese Personen nicht zu dem Betrieb gehören”. Tatsächlich sind die meisten Leiharbeiter nur wenige Monate in einem Betrieb, laut Studien zumeist etwa drei Monate. Damit werde “eine der großen Möglichkeiten an einem wichtigen Ort des Lebens, nämlich bei der Arbeit, auch Einfluss zu nehmen, stark reduziert”, betont Decker.

Das Interesse an gewerkschaftlicher Mitbestimmung habe abgenommen und stehe im Kreuzfeuer, meint der Wissenschaftler. “In den letzten Jahren war die Rationalität, die an politisches Handeln angelegt wurde, in erster Linie eine ökonomische – und demokratische Prozesse, die ja auch eine Rationalität haben, sind eher in den Hintergrund getreten” - dieses Problem würde in der öffentlichen Wahrnehmung wie “Folklorismus” wahrgenommen.

In Studien hatten Decker und Kollegen festgestellt, dass auf vielen Menschen ein sehr hoher Normierungsdruck laste, der durch die Angst vor Stigmatisierung durch wirtschaftlichen Abstieg verstärkt werde. Die Wissenschaftler hatten im Bezug auf den hohen Anpassungsdruck in Gruppendiskussionen beobachtet, dass dieser fast nie aufgegriffen und reflektiert worden sei, sondern zumeist blind reproduziert wurde.

Decker fordert, "im Sinne von Berthold Brecht 'Erst kommt das Fressen – und dann die Moral!' müssen Menschen auch gesellschaftlich in den Stand gebracht werden, an demokratischen Prozessen ohne Not und Angst teilzuhaben." Er erklärt die Politikverdrossenheit auch durch "eine sehr starke Verdichtung der Arbeit". Es gehe auf Kosten der demokratischen Öffentlichkeit, dass "die Zeit, die man sonst in eine gesellschaftliche Partizipation stecken konnte, nicht mehr so zur Verfügung steht wie es in den 1970iger oder 1980iger Jahren der Fall war". Und dies gelte nicht nur für Leiharbeiter.

Weitere Informationen und Zitate: http://npd-blog.info/?p=2377

30.10.2008 23:22

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