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Vom Wesenstest zur Halterschulung - ein Abend mit Bloch und Gansloßer

Am 26. August fand eine Veranstaltung der SPD-Fraktion mit Unterstützung des Landestierschutzverbandes Hessen und des Tierschutzvereins Wiesbaden im Hessischen Landtag statt.


Das Thema des Abends war: „Vom Wesenstest zur Halterschulung – Standpunkte, Perspektiven, Diskussionen“ und wir waren als Gesamtvorstand vor Ort, um uns ein Bild von der aktuellen politischen Lage machen zu können. Und ich kann eines gleich voraus schicken: Es war ein toller Abend!

Die Veranstaltung sollte eigentlich im Plenarsaal stattfinden. Aufgrund der überaus zahlreichen Anmeldungen, wurde dann kurzerhand die große Eingangshalle des Landtags gewählt – es waren über 300 Interessierte gekommen!

Die Begrüßungsworte wurden von Fr. Dr. Judith Pauly-Bender (MdL) gesprochen.

Als Redner waren Prof. Dr. Udo Gansloßer von der Universität Greifswald und Günther Bloch eingeladen, die zur „Methodenkritik der derzeitigen Wesenstests für Hunde“ und der „Verantwortung der Hundebesitzer im öffentlichen Raum“ referierten – natürlich auf hohem wissenschaftlichem Niveau und dabei äußerst unterhaltsam.

Günther Bloch dürfte den meisten von Euch bereits durch seine Wolfsstudien und seine Forschungsarbeit an verwilderten Haushunden in Italien bekannt sein (Veröffentlichungen u. a. „Der Wolf im Hundepelz“, „Die Pizza-Hunde“).

Auch Prof. Dr. Udo Gansloßer zählt zu den Experten in Sachen Verhaltensforschung (Veröffentlichungen u. a. „Verhaltensbiologie für Hundehalter“) und hat z. B. bei Blochs „Tuscany Dog Project“ für die wissenschaftliche Projektbegleitung verantwortlich gezeichnet.

So referierte Gansloßer bezüglich der Methodenkritik vor allem über sinnvolle Altersgrenzen beim Testing von Hunden, grundlegende Voraussetzungen für wissenschaftlich fundierte und statistisch auswertbare Tests, wie die innere und äußere Validität (Wertigkeit) und umriss das Fünf-Faktoren-Modell (FFM), sowie das Zwei-Typen-Modell („shy-bold-Modell“). Weiterhin ging er auf das partnerschaftliche Element zwischen Hund und Halter ein und verlor einige Worte zur Erblichkeit von Verhaltensmerkmalen und Persönlichkeitstypen.

Das vom wissenschaftlich-verhaltensbiologischen Standpunkt aus die derzeitigen Wesenstests und damit verbundenen Rasselisten bestenfalls auf tönernen Füßen stehen, machte Gansloßer anschaulich deutlich.

Nach einer kurzen Pause, hielt dann Bloch sein Referat, das weit mehr war, als eine Abhandlung zur Verantwortung der Hundbesitzer im öffentlichen Raum. Es war eine flammende Rede, in der Bloch klarstellte, dass der Hund nicht nur ein Kulturgut des Menschen ist, sondern auch durch die derzeitige Rechtslage, die mediale Darstellung von Vorfällen mit Hunden und nicht zuletzt auch durch all’ die Menschen, die die derzeitige Situation seit über 10 Jahren nicht nur dulden sondern mittragen – und dabei wohlgemerkt auch noch gut durch unwissenschaftliche und völlig aussagslose Tests ordentlich daran verdienen – in seinem Wesen grundsätzlich falsch dargestellt und eingeschätzt wird.

Dabei ging er auf viele verhaltensbiologische Aspekte von großen und kleinen Hunderassen, sogenannten Kampfhunderassen und Rasselisten ein und zeigte dabei Wege aus dem derzeitigen Dilemma, wie die Einführung von Halterschulungen vor Kauf eines Hundes, die Einführung von angemessenen, eingezäunten Auslaufflächen für Hund und Halter, die Sinnhaftigkeit einer Maulkorbregelung ohne Leinenzwang, und einige mehr. Er sprach sowohl die Auswirkungen der derzeitigen Hundegesetze auf das Sozialverhalten der Hunde an, wie er auch auf die Verantwortung der Hundehalter für Ihre Tiere einging: „Wenn der Hund am Blumenladen an die Tulpen pinkelt, dann ist das nicht artgerecht und wenn er im Park einen Fremden anspringt, dann ist Ignorieren an dieser Stelle ganz sicher nicht die richtige Erziehungsmethode“.

Wer schon in den Genuß von Günther Blochs Vorträgen gekommen ist, der kennt seinen Enthusiasmus und das Engagement, mit dem er seine Reden hält.

An dieser Stelle will ich es bei meinen gemachten Ausführungen belassen. Eine Vollständigkeit will ich aufgrund der Breite der Thematik und der überaus fundierten Darstellung der Sachlage durch Bloch und Gansloßer nicht erheben.

Ebenso bleiben die Reden von Frau Henriette Hackl vom Tierheim Wiesbaden und von Herrn Dr. Kost-Stenger vom Landestierschutzverband Hessen hier ansonsten unerwähnt.

Sobald der Abend als Audiodatei im Internet verfügbar ist (dies wird durch den LTVH bzw. die Referenten erfolgen), werde ich den Link dazu hier einstellen und Euch per Update informieren.

Überaus wichtig sind ein Ergebnis des Abends, das „Wiesbadener Manifest“ sowie die Vorankündigung für einen äußerst wichtigen, politischen Termin – eine tierschutzpolitische Anhörung im Hessischen Landtag am 24. September 2010 um 19.00 Uhr.

Das Wiesbadener Manifest ist eine Initiative, die zum Ziel hat, folgende Forderungen endlich politisch durchzusetzen:

1. die Einführung einer Halterschulung vor der Anschaffung eines Hundes unabhängig von der Rasse
2. die Sicherstellung ausreichender Freilaufmöglichkeiten für die tierschutzgerechte Haltung der Hunde
3. eine Pflicht zum Abschluss einer Tierhaftpflichtversicherung für alle Hunde
4. eine Identifikationsmöglichkeit durch Chip oder Tätowierung, um alle Tiere zurückverfolgen zu können

Eine Änderung der Rechtslage bezüglich der "Hundegesetze" ist aus fachlicher Sicht dringend angeraten.

27.08.2010 13:06

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