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Nieren-Lebendspende von Frank-Walter Steinmeier

Chemnitz, 38.8.2010 Als Patientenselbsthilfeverein sehen wir die Berichterstattung in den Medien über die Nierenlebendspende von Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau mit Sorge.


Wir erkennen eine deutliche Tendenz, dass diese Lebendspende instrumentalisiert wird, um massiv für eine Organlebendspende zu werben und sie dabei gleichzeitig zu verharmlosen.
Wir sehen die Lebendspende von Organen jedoch nur als eine Notlösung, weil nicht ausreichend postmortale (nach dem Tod gespendet) Organspenden zur Verfügung stehen. Das erklärte Ziel der Transplantationsmedizin ist jedoch ein signifikanter Ausbau der Nieren-Lebendspende.
Dabei wird scheinbar vergessen, dass nach einem solchen Eingriff immer zwei Patienten übrig bleiben, wo vorher nur einer war. So entwickeln ca. 20 Prozent der Spender einen behandlungsbedürftigen Bluthochdruck und ca. 30 Prozent eine eingeschränkte Nierenfunktion der verbliebenen Niere. Die Nierenlebendspende ist also keine Operation, die für den Spender nur ein zu vernachlässigendes Restrisiko darstellt, wie oft behauptet. Viele versicherungsrechtliche Fragen der Lebendspende sind seit Jahren ungeklärt. Herz- und Lungenpatienten, die auf ein Spenderorgan warten, können von keiner Lebendspende profitieren. Sie müssen sterben, wenn nicht rechtzeitig ein postmortal gespendetes Organ zur Verfügung steht.
Wir fordern daher auch weiterhin die Priorisierung der postmortalen Organspende. Es müssen sich endlich alle Kliniken am Organspendeprozess beteiligen (derzeit nur etwa 50 Prozent!). Weiterhin fordern wir die ehrliche und umfassende Aufklärung der Lebendspender.
Die Lebendspende sollte nicht aktiv beworben werden und es darf keinesfalls ein Druck zur Spende gegenüber Angehörigen aufgebaut werden. Es muss endlich eine gesetzliche Regelung zur vollständigen versicherungsrechtlichen Absicherung der Spender geben.
30.08.2010 09:13

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