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Aus Angst und Scham: Wenn Pflegebedürftige sich nicht zu erkennen geben wollen

Warum verzichten viele Menschen auf Leistungen der Pflegekasse? Über die Gründe der Betroffenen berichten Pflegeberaterinnen von pflege.de aus ihrer Beratungspraxis.

Mehr als acht Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege und Unterstützung angewiesen – so schätzen Wissenschaftler. Offiziell als „pflegebedürftig“ anerkannt sind jedoch nur 2,9 Millionen Menschen. Was hindert die Betroffenen daran, offiziell einen Antrag auf eine Pflegebegutachtung zu stellen?

Von den inzwischen wohl mehr als 5,5 Millionen Menschen, die von Angehörigen oder professionellen Kräften Unterstützung erhalten, sind viele noch nicht so stark eingeschränkt, dass sie einen Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse hätten. Denn viele Angehörige greifen ihren älteren Verwandten unter die Arme lange bevor eine amtlich anerkannte Pflegebedürftigkeit besteht. Jedoch verzichten auch viele tatsächlich berechtigte Senioren auf Unterstützung von offizieller Seite, und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Es gibt Menschen, die wollen und können ihre Pflege selbst finanzieren. Nicht wenige glauben zudem, keinen Anspruch zu haben, obwohl sie gute Chancen auf einen Pflegegrad hätten. Das gilt besonders, seit es durch die Pflegereform vom Januar 2017 auch Menschen mit geringem Unterstützungsbedarf möglich ist, zumindest Pflegegrad 1 zu erhalten.
Nicht zuletzt gibt es aber auch Menschen, die wollen nicht als hilfe- oder pflegebedürftig auffallen – weil sie Angst haben oder sich schämen.

„Viele Ältere befürchten die Abschiebung ins Heim“

„Viele ältere Menschen befürchten, dass mit der Einstufung als pflegebedürftig eine automatische ‚Einweisung‘ in ein Heim einhergeht“, weiß Natascha Schoon, Pflegeberaterin bei pflege.de aus vielen Beratungsgesprächen. „Oft haben diese Menschen in frühen Jahren die Erfahrung gemacht, dass Behörden und Institutionen über ihre Köpfe hinweg entscheiden und sie entmündigt werden. Ihr wichtigstes Anliegen ist jedoch, in der gewohnten Umgebung zu bleiben und von vertrauten Menschen versorgt zu werden. Wenn das in informeller Weise gegeben ist, dann besteht für sie kein Anlass, sich dem ‚System auszuliefern‘. Dass die häusliche Pflege auch von der Pflegekasse gefördert wird, ist vielen nicht bewusst oder erscheint ihnen nicht glaubwürdig.“

„Niemand im Dorf soll merken, dass sie hilfsbedürftig sind“

„Auch Scham spielt eine Rolle“, sagt Anna Heins, Pflege- und Wohnberaterin bei pflege.de. „Besonders älteren Menschen aus dem ländlichen Raum ist ihre Selbstständigkeit besonders wichtig. Dass sie auf Hilfe angewiesen sind, empfinden viele als demütigend, und zwar in zweifacher Hinsicht: Sie fühlen sich in ihrer körperlichen Autonomie eingeschränkt – ein Fremder ist in ihrem Haushalt tätig und greift in ihre Intimsphäre ein. Außerdem sehen sie ihr Ansehen innerhalb der Dorfgemeinschaft beschädigt: Auf dem Land ist es noch selbstverständlich, dass man sich innerhalb der Familie oder unter Nachbarn hilft. Wer darauf nicht zurückgreifen kann, sondern staatliche Unterstützung benötigt, ist bemitleidenswert. Einige ambulante Dienste, die in ländlichen Gebieten aktiv sind, beschriften ihre Dienstwagen deshalb nicht mehr, um nicht sofort als Pflegedienst erkannt zu werden.“

„Viele meinen, den Aufgaben bei der Antragsstellung nicht gewachsen zu sein“

Lars Kilchert, Gründer und Geschäftsführer von pflege.de, weiß zudem: „Nicht wenige ältere Menschen glauben, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, einen Pflegegrad zu beantragen. Sie fürchten, dass sich Fehler oder Missverständnisse von ihnen negativ auswirken könnten – etwa bei Gesprächen mit Behördenmitarbeitern oder in auszufüllenden Formularen. Dass sie etwa als „senil“ abgestempelt werden könnten oder Prozesse in Gang setzen, die sie gar nicht gewollt haben. So manch ein Betroffener verzichtet deshalb auf einen Pflegegrad-Antrag – solange es noch irgendwie anders geht.“

13.07.2017 13:20

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