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"Begegnungen hinter Stacheldraht" - Deutsche Kriegsgefangene im Lager Bandō in Japan 1917–1920

Am 1. Juni 1918 wurde Beethovens 9. Sinfonie erstmals in Japan aufgeführt. Die deutschen Musiker waren Kriegsgefangene, die im Lager Bandō in Naruto interniert waren und dort ein Orchester gegründet hatten.
Sie spielten die „Ode an die Freude“ als Dank für die humanitäre Behandlung, die sie erfahren hatten. Heute ist „Die Neunte“ Japans heimliche Nationalhymne, die nicht nur bei vielen Anlässen gespielt wird, sondern deren Text die meisten Japaner schon im Kindergartenalter in deutscher Sprache singen können.
Bandō war nach heutigen Maßstäben ein ungewöhnliches Kriegsgefangenenlager: Die deutschen Soldaten durften unter Aufsicht des Lagerleiters Oberst Matsue das Lagerleben nach dem Vorbild deutscher Kommunen organisieren. Sie legten Sportplätze an, gründeten Vereine, Theatergruppen und Orchester, gaben eine Lagerzeitung heraus und organisierten Ausstellungen, zu denen die japanische Bevölkerung eingeladen wurde. Sie pachteten außerhalb des Lagers Land, bauten Gemüse an und hielten Geflügel. Sie betrieben eine Molkerei, in der auch Japaner arbeiteten und von den deutschen Kriegsgefangenen Molkereikenntnisse erwarben. Und nicht zuletzt produzierte die deutsche Bäckerei ihre Backwaren nicht nur für das Lager, sondern machte auch die Japaner mit deutschem Brot, Kuchen und Torten bekannt.
Blick in die Baracke IV des Kriegsgefangenenlagers Bando Foto: Deutsches Haus Naruto

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Das Leben in diesem besonderen Kriegsgefangenenlager zeigt die Ausstellung „Begegnungen hinter Stacheldraht“, die mit mehr als 150 Exponaten und Dokumenten aus privaten Nachlässen, Museen und Bibliotheken, u.a. dem „Deutschen Haus“ in Naruto kuratiert wurde. Da Lüneburg seit mehr als 40 Jahren eine Städtepartnerschaft zu Naruto unterhält und auch das Land Niedersachsen mit der Präfektur Tokushima, in der Naruto liegt, seit 10 Jahren partnerschaftlich verbunden ist, wurden die regionalen Bezüge besonders herausgearbeitet.
Aufbereitet wurden auch die Lebensläufe von Lüneburgern, die als Soldaten im Lager Bandō waren oder als Kaufleute in Japan lebten und ihre Landsleute in den Kriegsgefangenenlagern unterstützten.
Heute ist wenig bekannt, dass das Deutsche Reich den ersten Weltkrieg auch in Ostasien verloren hat. Soldaten und Reservisten haben vor mehr als hundert Jahren auf chinesischem Territorium die Kolonie Tsingtau gegen Japan und seinen englischen Verbündeten verteidigt. Schon Ende 1914 kamen sie in japanische Kriegsgefangenschaft und blieben dort bis Weihnachten 1919, denn erst zwei Jahre nach Kriegsende brachte Deutschland nach verlorenem Krieg die Mittel für den Rücktransport der Soldaten auf.


Die Ausstellung, die noch bis zum 23. Juli im Museum Lüneburg gezeigt wird, spannt einen Bogen von den Expansionsbestrebungen des Deutschen Reiches unter Kaiser Wilhelm über die Gefangennahme deutscher Soldaten in Tsingtau bis hin zum Lageralltag in Bandō und folgt den Spuren, die die „Begegnungen hinter Stacheldraht“ bis heute hinterlassen haben. Zur Ausstellung ist unter dem gleichen Titel ein zweisprachiger Ausstellungskatalog erschienen.
Die Ausstellung ist hochaktuell, denn sie stützt und begleitet einen Diskurs über Krieg, Kriegsgefangenschaft und den Umgang mit dem vermeintlichen Feind und dem großen Potential, das kulturelle Begegnungen für die Überwindung von Fremdheit und den Bau von Brücken zwischen Menschen auch unter widrigen Bedingungen bedeuten.

Bilddateien:


Blick in die Baracke IV des Kriegsgefangenenlagers Bando Foto: Deutsches Haus Naruto
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Das Orchester unter der Leitung von Paul Engel Foto: Deutsches Haus Naruto
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09.06.2017 09:47

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