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Curvy Supermodel vs. Gewichtsdiskriminierung?

Am 6. September veranstaltet das Berufsförderungswerk Leipzig (BFW Leipzig) in Kooperation mit dem Leipziger IFB AdipositasErkrankungen ein rehawissenschaftliches Kolloquium zum Thema „Durch Dick und Dünn – Adipositas in der Arbeitswelt“. Als Referenten werden Wissenschaftlerinnen und Ärzte des IFB AdipositasErkrankungen und von der Reha-Klinik für Kinder- und Jugendliche in Graal-Müritz, ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht sowie eine Vertreterin der DAK Gesundheit auftreten.
Den Impulsvortrag wird Natalie Rosenke, 1. Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG) e.V. halten.

Wir sprachen mit Natalie Rosenke in Vorbereitung des rehawissenschaftlichen Kolloquiums über das Thema Alltagsdiskriminierung und die neue Staffel der Casting-Show Curvy Supermodel.

Frage: Der Fernsehsender RTL II bezeichnet „Curvy Supermodel“ als Körperrevolution. Die jungen Damen streben mit ihrem mehr an Körperrundungen eine Modelkarriere an. Der selbstbewusste Auftritt stehe im Kontrast zu den superschlanken Models auf dem Catewalk, so die Teilnehmerinnen selbst.
Natalie Rosenke aus welchem Blickwinkel betrachten Sie diese Show?

Antwort: Die Bewertung des eigenen Körpers entschlossen zurückzuweisen, das wäre eine Körperrevolution. Davon kann hier keine Rede sein, denn die Bewertung des dicken Körpers ist Kern der Sendung. Straff soll der Speck sein, an den "richtigen Stellen" muss er sitzen. Gemeint ist die Silhouette einer Sanduhr: An Brust und Po ist mehr erlaubt, solange die Taille im Vergleich dazu als deutlich schmaler hervorsticht. Diese Regel gilt für schlanke Models gleichermaßen, so dass der körperliche Kontrast letztlich so gering wie möglich ausfällt.

Natalie Rosenke, 1. Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG) e.V. – www.gewichtsdiskriminierung.de, © Rolf Schulten

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Frage: Besteht hier nicht die Gefahr, dass durch die Abgrenzung von den Superschlanken doch eine Art Diskriminierung stattfindet?

Antwort: Es ist Realität, dass in der Sendung sowohl dicke als auch dünne Körper abgewertet werden. Doch wie groß kann die Schnittmenge zwischen einem Schönheitswettbewerb und Body Acceptance sein? Die Mode-Branche ist bis auf wenige Ausnahmen kein inklusives Geschäft. Es geht um Exklusivität. Kleidung wird dadurch zum Status-Symbol, dass sie nur von einer ganz bestimmten Gruppe getragen wird. Das lässt sich gut über den Preis oder das Design steuern. Einige Mode-Labels stehen öffentlich dazu, dass sie keine dicken Menschen als Kundschaft wünschen. Für sie ist der dicke Körper mit einem geringen sozialen Status assoziiert und unästhetisch. Sie produzieren ihre Kleidung daher in entsprechend eingeschränkter Größenauswahl und werden für ihre unverhohlene Gewichtsdiskriminierung mit einem hohen Markenwert belohnt.

Frage: Wo stehen wir in Deutschland hinsichtlich der Alltagsdiskriminierung von Menschen mit dem mehr an Gewicht, als es der Fitnessboom uns suggerieren will?

Antwort: Die alltägliche Gewichtsdiskriminierung, die dicke Menschen erfahren, wird immer aggressiver. Früher gab es ungefragt Diät-Tipps, heute geht die Empfehlung einer Magen-Verkleinerung mit einer Selbstverständlichkeit über die Lippen, als wäre es ein Friseurtermin. Werbekampagnen beschränkten sich lange Zeit darauf, den schlanken Körper zu glorifizieren, um einen Kaufanreiz zu schaffen. Inzwischen ist es ein immer stärker werdender Trend, den dicken Körper abzuwerten, um ein Produkt zu platzieren.

Frage: Gibt es aus Ihrer Sicht eine Gewichtsobergrenze, die nicht mehr mit Lebensfreue im Einklang steht?

Antwort: Nein, die Zahl auf der Waage ist kein Gradmesser für unsere Lebensfreude. Dafür setzt sich Lebensfreude aus viel zu vielen Faktoren zusammen. Wir können uns in unserem Körper pudelwohl fühlen, trotzdem kann die Lebensfreude ausbleiben. Dann beispielsweise, wenn wir von außen immer wieder mit Gewichtsdiskriminierung konfrontiert werden. Das beginnt übrigens bereits mit Satz: "In diesem Körper kannst Du Dich doch gar nicht wohlfühlen." Die unzureichende Vorstellungskraft solch selbsternannter Empathen kann nicht die Sorge dicker Menschen sein.

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Das Interview führte: Michael Lindner/BFW Leipzig

Bilddateien:


Natalie Rosenke, 1. Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG) e.V. – www.gewichtsdiskriminierung.de, © Rolf Schulten
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31.07.2017 16:21

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