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Datenschutzrechtliche Aspekte beim Einsatz von Patienteninformationssystemen in Wartezimmern

Fernseher haben mittlerweile viele Wartezimmer in Arztpraxen erreicht. Um die Wartezeiten der Patienten angenehmer zu gestalten erfreuen sie sich, neben den weitverbreiteten Zeitschriften, steigender Beliebtheit.
Die Anbieter werben mit Ablenkung für nervöse Patienten, aber auch mit der Möglichkeit der Vermarktung von beispielsweise Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Datenschutz und IT-Sicherheit für das Praxisnetzwerk werden dabei in der Regel jedoch nicht betrachtet.

Viele Ärzte nutzen bereits die Möglichkeit, ihren Patienten im Wartezimmer zusätzlich zu den weitverbreiteten Zeitschriften ein individuelles Fernsehprogramm zur Zeitüberbrückung anzubieten. Dabei werden der Arztpraxis, durch einen Anbieter auf die Patientengruppe, zugeschnittene Sendungskonzepte geliefert oder der Arzt kann sich die Sendungen selbst zusammenstellen. Die Dienstleistungen der Anbieter gehen dabei von der Installation, inklusive eines eventuell benötigten Internetanschlusses, über eine Garantie für die Aktualität der Geräte bis zur Analyse des Patientenstammes, sowie der Lieferung des darauf angepassten Programms.

Es gibt zwei technische Modelle durch die ein solches Wartezimmer-TV umgesetzt werden kann. Bei der einen Lösung wird das Programm über einen Wechseldatenträger, wie zum Beispiel einem USB-Stick oder einer DVD, abgespielt. Bei der anderen Lösung werden die Informationen über das Internet zum Fernseher übertragen. Die Administration und Verwaltung ist beispielsweise über eine Onlineplattform möglich. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass auch im Falle des Wartezimmer-TVs das Werbeverbot für Ärzte gilt und ggf. Abgaben an die GEMA zu zahlen sind.

Ein erstes Datenschutzproblem kann sich ergeben, wenn der Anbieter im ersten Schritt zur Zielgruppenoptimierung den Patientenstamm der Praxis analysiert. Diese Tätigkeit ist nur dann zulässig, wenn dem Anbieter die Daten in anonymisierter bzw. pseudonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden. Ebenso muss der Datenumfang (z.B. Alter, Geschlecht, Wohnort/PLZ, etc.) der Übermittlung kritisch auf die Notwendigkeit hinterfragt werden. Aufgrund der hohen Sensibilität medizinischer Daten, sollte von einer Übertragung an Dritte zu diesem Zwecke vollständig abgesehen werden, da das erzielte Ergebnis in keinem vertretbaren Verhältnis zur eigentlichen Übermittlung dieser sensiblen Daten steht. Der nächste Schritt ist die Installation des Gerätes im Wartezimmer. Insofern diese durch einen Mitarbeiter des Lieferanten durchgeführt wird, muss darauf geachtet werden, dass er während seiner Tätigkeit keinen Zugang zu personenbezogenen Daten hat. Exemplarisch seien offene Akten oder Arzt-Patienten-Gespräche genannt. Um diese Problematik zu umgehen empfiehlt es sich, die Arbeiten außerhalb der Sprechzeiten durchführen zu lassen.

Weiterhin ist der Betrieb einer solchen Infotainmentlösung aus Sicht des Datenschutzes und der IT-Sicherheit immer dann problematisch, wenn eine direkte Verbindung mit dem Praxisnetzwerk besteht. Nachfolgenden Aspekten sind zu beachten:

1. Das Portal zur Pflege der Programminhalte muss den aktuellsten Sicherheitsstandards entsprechen. Es muss sichergestellt sein, dass Unbefugte weder Änderungen an dem Programm vornehmen und eventuell unerwünschte Beiträge einspielen können, noch unerwünschte Software über das Portal eingeschleust werden kann.
2. Technisch gesehen handelt es sich bei den Fernsehern meistens um kleine Computer, die theoretisch die gesamte Kommunikation zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen des Praxisnetzes mitlesen und Informationen über andere Geräte ermitteln können.


3. Bei der Anbindung des Gerätes über ein vorhandenes WLAN muss der Netzwerkschlüssel für die Einrichtung bekannt gegeben werden.
4. Die Online-Aktualisierung von Programminhalten oder eine Fernwartungsfunktion des TV-Gerätes ist darüber hinaus ein potenzieller Zugangspunkt in das Praxisnetz, der immer die potenzielle Gefahr einer Kompromittierung mitbringt.

Die Einbindung dieser Lösungen in das eigene Praxisnetzwerk sollte generell nicht erfolgen, entweder kann die Separierung in ein eignes Netzsegment realisiert, ein dafür dedizierter Netzzugang eingesetzt oder die Inhalte über einen Wechseldatenträger (USB/DVD) aktualisiert werden.

Die Entscheidung für einen bestimmten Anbieter muss immer mit Bedacht getroffen werden, wobei die eingehende Prüfung der verschiedenen Lösungen außerhalb der Möglichkeiten einer Praxis liegen können, sodass eine Konsultierung eines Experten für Datenschutz, zur Prüfung der Datenübermittlung und des Arztnetzes, ratsam sein kann.

In den Werbebroschüren versprechen die Anbieter eine schnelle und unkomplizierte Installation in der eignen Praxis. Es zeigt sich jedoch, dass die Anschaffung eines „Wartezimmer-TVs“ aus Sicht des Datenschutzes und der IT-Sicherheit einige Stolpersteine bieten kann, denen sich der Praxisinhaber bei der Anschaffung bewusst sein muss.

30.07.2013 09:10

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