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Die Völker werden ihren „Eliten“ die Leviten lesen

„Elite: Sammelbegriff zur Hervorhebung von Menschenminderheiten gegenüber Menschenmehrheiten, egal ob Gauner oder Heilige.“ Diese Definition stammt von Prof.
Querulix. Ebenso die sarkastische Feststellung: „Eliten: fürs allgemeine Wohl sind’s meistens Nieten, im schlimmsten Falle Parasiten.“

Weil der Mensch nun einmal vom Affen, also einem Rudeltier abstammt, verhält er sich auch so – im Guten wie im Schlechten. Wir haben immerhin rund 97,5 Prozent der Gene noch mit dem Schimpansen, unserem nächsten Verwandten, gemeinsam. Im Rudel entstehen wie von selbst Machthierarchien. Auch im Menschenrudel. Wenn Menschen längere Zeit zusammen leben, stabilisieren sich diese. In kleinen und größeren Gruppen bis hin zu Staaten mit vielen Millionen Angehörigen bilden sich solche – im Großrudel auch einender verwobene – Machthierarchien, in denen wenige bestimmen, was viele zu tun haben. Evolutionär war das bisher ein Überlebensvorteil der Gattung „Mensch“, wenn auch um den Preis, daß unzählbare Menschen der im Erbgut programmierten Nutzung dieses Vorteils geopfert wurden.

Prof. Querulix, Tacheles - zeitlos-zeitkritische Beobachtungen und Kommentare, Band 6, eBook, 9,95 Euro

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Alle Rudel brauchen Anführer; das ist bei niederen wie höheren Tieren und dem Menschen das gleiche. Der Anführer ist in erster Linie an sich selbst und der Fortpflanzung seiner Gene interessiert. Unter den vom Anführer (oder seltener der Anführerin) Geführten bilden sich im menschlichen Großrudel, wie zum Beispiel in Staaten, in großen Unternehmen oder Vereinen automatisch von der Masse der Geführten mehr oder weniger abgehobene Hierarchien von „Gehilfen“, die die Macht der Anführer – nicht zuletzt auch im eigenen Interesse – sichern und den Willen der Anführer exekutieren. Dafür werden die Führungsgehilfen von den Anführern mit Privilegien belohnt. So wie die Anführer selbst das Rudel für ihre Zwecke benutzen, so gestatten sie ihren „Gehilfen“ auch, ihre eigenen Interessen im Rudelalltag wahrzunehmen – wenigstens in einem gewissen Umfang. In Großrudeln ist eine Hierarchie von „Gehilfen“ für den Machterhalt der Anführer unverzichtbar, und deshalb sind die Anführer auch in gewisser Weise abhängig von ihren Unterstützern (die sich für die Anführer manchmal auch als Konkurrenten um die Macht herausstellen und diesen nicht selten bekämpfen).

Anführer und engster Helferkreis bilden die „Elite“ des Rudels. In den zeitgenössischen Großrudeln üben die Anführer(innen) ihre Macht meist in verschiedenen Gremien (unterschiedlich stabile Rudel auf Zeit) mehr oder weniger versteckt aus. Auch in diesen Rudeln gibt es mehr oder weniger starke Gehilfen für die Machterhaltung. Die Grenzen zur Corona „zahlender Privilegierter“ und zu bloßen nützlichen Idioten und Speichelleckern sind fließend.

Wir schreiben „Elite“ in Anführungsstrichen, weil der Begriff im hier behandelten Zusammenhang keine Wertkategorie bezeichnet, sondern eine Machtkategorie. Zur „Elite“ eines Staates zählen wir diejenigen privilegierten Mitbürgerinnen und Mitbürger, die infolge ererbter oder erworbener Macht das staatliche Handeln (meist mittels darauf spezialisierter und mit Politikern eng vernetzter Lobbyisten) maßgeblich im Sinne ihrer eigenen Interessen beeinflussen können. Wie „abgehoben“ von den Grundrechten und legitimen Interessen der übrigen Staatsbürger die „Eliten“ handeln können, messen wir am Ausmaß der Rücksicht, die sie auf existenzielle Belange der Bevölkerungsmehrheit ihres Staates nehmen müssen, um ihre Stellung nicht zu allzu sehr zu gefährden. Ihr diesbezüglicher Handlungsspielraum und damit in der Regel das Ausmaß der Beschädigung des Allgemeinwohls, das die rangniederen Rudelmitglieder noch tolerieren, hängen davon ab, wie viele nützliche Idioten in Schlüsselpositionen sowie bei den „Propagandisten“ den „Eliten“ freiwillig oder indem sie sich „kaufen“ lassen dafür zur Verfügung stehen.

„Der Fisch fängt am Kopf an, zu stinken“, weiß der Volksmund. Inwieweit Staaten dem gerecht werden, was ihre Bezeichnung – z.B. „Demokratie“ oder gar „Volksdemokratie“ – und ihre Verfassung versprechen, hängt entscheidend von der Rücksicht ab, die ihre „Eliten“ bei der Verfolgung ihrer Interessen auf die Rechte und Interessen der übrigen Bevölkerung nehmen müssen. Sieht man sich das in der Praxis an, ist man erstaunt, in welchem Ausmaß sogar relativ schwache „Eliten“ gegen die legitimen Interessen einer Bevölkerungsmehrheit handeln können, ohne von dieser, den Wählern, bei nächster sich bietender (Wahl-)Gelegenheit zum Teufel gejagt zu werden.

Nun ist es in der sogenannten Ersten Welt keinesfalls (oder jedenfalls sehr selten) so, daß die „Eliten“ ihren Eigennutz diktatorisch ausleben. Nein, sie stützen sich in der Regel auf Theorien (Ideologien), oft auf Theorien von Wissenschaftlern, die gerade in Mode sind. Da heißt es dann, man könne über die Steigerung des Konsums die Wirtschaftstätigkeit anregen. Das drängt dann u.U. Politikern und Notenbankern die Folgerung auf, man müsse den Konsum erforderlichenfalls erzwingen, indem man ungeachtet der verheerenden Folgen für die soziale und politische Stabilität skrupellose Schuldner und Spekulanten mit kostenlosen Krediten subventioniert und Sparguthaben gewissenhafter Sparer mit Negativzinsen sukzessive enteignet.

Die Wirtschaftswissenschaften sind nun (ebenso wie Philosophie, Psychologie, Politikwissenschaften etc.) einmal keine exakten Wissenschaften wie z.B. die Physik. Entsprechende Vorsicht erfordert ihre Anwendung auf hochkomplexe dynamische Systeme wie Unternehmen und Volkswirtschaften. Dabei sind die Rudelführer meistens überfordert und laufen deshalb Gefahr, entweder in Unkenntnis dessen einfach drauflos zu handeln, sich von Rattenfängern beraten zu lassen, oder einfach nichts zu tun und Probleme auszusitzen. Wie entscheidend die persönlichen Problemlösungsfähigkeiten der Rudelkführer sind, läßt sich mitunter gut beobachten. So hat zum Beispiel ein mittelständischer Unternehmer die optimale „Nase“ und ist deshalb lebenslang erfolgreich. Die Erben verkaufen den Betrieb an einen Großkonzern und nach kürzester Zeit ist die scheinbare Glückssträhne zuende, obwohl akademisch gebildete Manager die Führung des Betriebes übernehmen.

Die Leidtragenden sind dann aber ausschließlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Anstatt die wirklichen Probleme zu analysieren und zu beseitigen, baut man Personal ab. Weniger Kosten bedeutet mehr Gewinn, lautet die einfache Formel, die in solchen Fällen auf der Hand liegt. Daß damit die Probleme oft erst richtig anfangen interessiert die Managernomaden nicht mehr, weil sie dann meistens schon (mit nochmals gesteigerten Bezügen) auf dem Chefsessel eines anderen Unternehmens Platz genommen haben, um die gleiche Aktion gleich noch einmal zu starten. Schließlich haben sie ja schon einmal „erfolgreich“ Kosten reduziert und sich als „Sanierer“ erwiesen.

In der Politik ist es ähnlich. Die Versager, die nach falschen oder unverstandenen Theorien gehandelt haben, leiden nicht unter den Folgen ihrer Unfähigkeit. Das tun allein diejenigen, denen die Versager, weil sie unfähig waren, die Theorien, nach denen sie gehandelt haben, kritisch auf ihre Anwendbarkeit zu hinterfragen, geschadet haben. Aufbegehren der Geschädigten dagegen ist sehr selten, Schafsgeduld die Regel. In der Langmut der Menschen, die oft mit Unwissenheit, Gleichgültigkeit und angeborenem Phlegma einhergeht, liegt aber, wenn die „Eliten“ sie ausnutzen, eine sehr große Gefahr für den sozialen Frieden und die Stabilität des Rudels. Denn es gibt nach aller historischen Erfahrung Grenzen für Duldsamkeit, die, wenn sie überschritten werden, eine emotionale Explosion hervorrufen können, die später dann als Revolte, Revolution oder gar Bürgerkrieg in die Geschichtsbücher aufgenommen wird. Die nach solchen tragischen Ereignissen von Überlebenden oder Historikern gern gestellte Frage „Wie konnte das passieren?“ ist lächerlich. Denn man kann solche Ereignisse voraussehen.

Wir leben derzeit wieder in einer hochbrisanten Phase der Menschheitsgeschichte. Innerhalb und zwischen zahlreichen größeren und kleineren Menschenrudeln ist es weltweit ziemlich unruhig. Wir beobachten viele schwelende und offene Konflikte, fortgesetzte Lügen und Täuschungen sowie zahlreiche versteckte und offene Kämpfe sowie mit neuen Waffen und alter ideologischer Verbissenheit ausgetragene Kriege. Auch die Deutschen geraten wieder in Bewegung und wir müssen vielleicht gar nicht mehr lange warten, bis auch die weniger Hellsichtigen eine Neuauflage der Weimarer Zeit erkennen.

Die Europäische Einigung steht auf der Kippe. Der Eigennutz der Staaten und die Engstirnigkeit vieler Politiker triumphiert über den Einigungswillen. Die Währungsunion ist infolge der Unfähigkeit der Politiker, die Bankster an die Kandare zu legen, so gut wie tot. Politiker, die Steuergelder nicht in Bildung, sichere Energieversorgung und gute Verkehrsinfrastruktur investieren, sondern an fallierende Banken verschwenden, sind die Totengräber.

Die alten „Eliten“, die sich als unfähig erwiesen haben, die Forderungen der Zeit zu erkennen, die soziale Ungleichheit und Ausbeutung als „gar nicht so schlimm“ oder „reine Phantasie“ bezeichnen, oder denen sie gleichgültig sind, denen das Allgemeinwohl schnuppe ist – diese „Eliten“ werden abgelöst und durch neue ersetzt werden. Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Beginn dieser Ablösung zeichnet sich bereits ab. Die Ablösung ist offensichtlich zwangsläufig, sollte vom „wahren Menschen“ zwar mit Intelligenz und Verantwortungsbewußtsein durchgeführt werden können, wird es aber – wie die Geschichte beweist – regelmäßig nicht. Die Folge ist eine Zeit der Wirren, im gegenwärtigen Fall wahrscheinlich verstärkt durch eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise im Anschluß an das Platzen der Spekulationsblasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten.

Vielerorts in der Welt sind Revolten und Bürgerkriege bereits offen ausgebrochen, auch der Terror breitet sich immer weiter aus. Zu allem Überfluß kochen auch noch völkische und ideologische Sektierer ihr Süppchen auf dem Feuer der sich ausbreitenden Unzufriedenheit hunderter Millionen Menschen mit ihren „Eliten“. Oft müssen die Völker dabei zwischen Teufel und Beelzebub wählen. Doch wie sollten sie anders die Chance gewinnen, ihr Schicksal zum Besseren zu wenden? Ob letztlich ein Welt(bürger)krieg mit hunderten schwer zu identifizierbaren Fronten daraus wird, wissen wir nicht. Für die sogenannte Erste Welt wird die soziale und politische Entwicklung in den kommenden Jahren und damit die Entscheidung zwischen Krieg und Frieden davon abhängen, ob deren (neue) „Eliten“ Banksterismus und Raubkapitalismus endlich bändigen und mit durchgreifenden Reformen das Allgemeinwohl der Völker über den Eigennutz derer stellen, die dann über die Produktionsmittel verfügen und die Gesetze machen.

Auf einen weltweiten finanz- und realwirtschaftlichen Totalcrash mit katastrophalen sozialen und politischen Folgen ist derzeit kein Land vorbereitet, obwohl der jederzeit eintreten kann. Er wird auch von Tag zu Tag wahrscheinlicher und dürfte auch mit noch so viel Gelddrucken nicht zu vermeiden sein. Im Gegenteil: Geldfluten und Nullzinsen sind seine Brandbeschleuniger.

Andererseits ist derzeit entgegen der Hoffnung von Draghi & Co. (auf welche volkswirtschaftliche Theorie die sich wohl gründet?) weit und breit keine Konsumpreisinflation in Sicht. Woher sollte sie auch kommen? Solange das von EZB, BoJ und FED in Massen produzierte Neugeld nur Spekulanten, Bankstern und ohnehin schon überreichen Zeitgenossen in die Taschen fließt und die große Mehrheit der Menschen davon gar nichts in die Hände bekommt, kann sich daran auch nichts ändern. Das ist insofern ein Trost für die zunehmende Zahl der (in prekären Arbeitsverhältnissen gehaltenen) Armen, als sie wenigstens von ihren Hungerlöhnen noch satt werden können, wenn sie auch sonst nur am Katzentisch der Gesellschaft geduldet werden. Die „Eliten“ brauchen sich vor einem möglichen Aufstand der Benachteiligten deshalb auch noch nicht zu fürchten. Denn „Sattes Volk ist seinem Herrscher gern ergeben; volle Mägen dämpfen allzu heftiges Bewegen.“ (Prof. Querulix)

Aber das dicke Ende kommt gewiß. Weltweit. Je länger es von den „Eliten“ und ihren nützlichen Idioten mit allen möglichen Machinationen hinausgeschoben wird, desto gewaltiger wird es krachen.

Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren das fragwürdige Treiben und die Verirrungen des Menschentiers. Seine Kommentare sind in bisher sechs Bänden der Serie „Tacheles“ gesammelt erschienen – eine Dokumentation des Niedergangs der westlich-abendländischen Kultur. Ein siebter Band ist für Ende des Jahres geplant. Die eBooks im Umfang zwischen ca. 180 und 280 Seiten kosten je 9,95 Euro. Der jüngste Band trägt den Titel „Menschenwelt im Umbruch“ (ISBN 978-3-943788-42-6). Alle Bände sind im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (http://www.read.ruedenauer.de ) erschienen und dort erhältlich.

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Prof. Querulix, Tacheles - zeitlos-zeitkritische Beobachtungen und Kommentare, Band 6, eBook, 9,95 Euro
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Prof. Querulix, Tacheles - zeitlos-zeitkritische Beobachtungen und Kommentare, Band 1-5, eBooks, je 9,95 Euro
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02.11.2016 08:38

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