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Elektronikbranche: Standortwechsel in Rekordzeit

Wenn Elektronikunternehmen umziehen ist logistische Meisterleistung gefragt / Ingenieurbüro Künne blieben nur 14 Wochen bis zum Produktionsstart der SCHORISCH Gruppe


Hamburg / Harburg / Wentorf (k-w). Wenn Elektronikunternehmen umziehen, dann ist das nicht nur eine Frage der Logistik. Sauber geplant werden muss ein solches Projekt bis ins Detail – von der Verpackung der Reinraum-Anlagen bis zum Probelauf der kompletten Fertigung. Dazwischen liegt ein hartes Stück Arbeit.

Hans Uwe Künne ist so ein Mann, der vom Süden Hamburgs aus bereits vielen Mittelständlern dabei geholfen hat, dass ihr Standortwechsel in geordneten Bahnen verlief und nicht zum Desaster wurde. Entsprechend groß ist sein Erfahrungsschatz, wenngleich der Maschinenbau-Ingenieur auch immer wieder Neuland betritt. Eben erst hat er ein Projekt über die Bühne gebracht, dass nach seinen Worten „der Auftrag mit der kürzesten Planungszeit in meiner Karriere war.“ Einschließlich aller Baugewerke, fügt er stolz hinzu.

Die tonnenschweren Fertigungsanlagen stemmt der Autokran mühelos in die Höhe. Fotos: Ingenieurbüro Künne

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Als Hans Uwe Künne den Vertrag für den Umzug der beiden Elektronikunternehmen SCHORISCH Tralec und SCHORISCH Systems von Reinbek nach Wentorf unterschrieb, da wusste er, dass ihm und seinem Team gerade einmal 14 Wochen Zeit bis zum Neustart der Produktion blieben. Erschwerend kam hinzu, dass die Immobilie am Stöckenhoop 6 ursprünglich für eine ganze andere Branche gebaut worden war. Wo einst Plüschtiere, Kinderkleidung und Accessoires lagerten, gab es nicht mal eine ausreichend große Öffnung, durch die eine Fertigungsstraße geschoben werden konnte, geschweige denn spezielle ESD-Fußböden als Schutz vor elektrostatischen Entladungen. Also musste zunächst die komplette Werkstruktur inklusiv Elektroinstallation, IT-Netzwerk, Druckluft, Lüftungs- und Klimatechnik geplant werden.
Dass das Ingenieurbüro dennoch den Wunschtermin von Kirsten Schönharting, Vorstand der SCHORISCH Gruppe, erfüllen konnte, ist der Disziplin auf beiden Seiten geschuldet. „Nur in der engen Vernetzung von Auftraggeber und Auftragnehmer lässt sich ein solches Vorhaben in dieser Geschwindigkeit umsetzen“, sagt Hans Uwe Künne, sei 40 Jahren Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Solche Projekte geht der Spezialist für die Verlagerung kompletter Betriebe eher von der pragmatischen Seite an: „Da setzen wir uns erst Mal mitten in die Produktion, hören zu und beobachten“, schmunzelt der Ingenieur. So entstanden Stück für Stück die Pläne für den Aufbau der 2.500 Quadratmeter großen Büro-, Produktions- und Lagerfläche einschließlich der Bestückung von 180 Palettenplätzen.
Dass man manchmal Mut zur Lücke haben muss, beweist dieser Eilauftrag ebenfalls: Sechs große Anlagen sollten in den dritten Stock der Immobilie gehievt werden, darunter der Reflowofen mit 2,4 Tonnen Gewicht und 4,70 Meter Länge, die Lötwelle mit 1,2 Tonnen sowie drei Bestückungsautomaten, die je 1,5 Tonnen auf die Waage bringen. Doch auf acht Meter Höhe fand sich keine ausreichend große Öffnung. Also blieb den Planern nur die Möglichkeit, die Fassade zu öffnen, um sie später durch ein Fenster wieder zu verschließen. Positiver Nebeneffekt: Dadurch ist es in den ohnehin schon freundlichen und lichtdurchfluteten Produktionsräumen nochmal heller geworden.
Mit der Öffnung der Blechverkleidung hatten die Planer jedoch nicht alle Hindernisse beiseite geräumt, die sich ihnen nach Anlieferung des Maschinenparks auf 25 Lastzügen à 40 Tonnen in den Weg stellten. Denn zwischen der neuen Fertigungsstätte und dem Nachbargebäude gab es nur einen relativ schmalen Durchlass, der den 30-Tonnen-Autokran in seiner Beweglichkeit einschränkte. Zentimeter für Zentimeter wurden die Anlagen über Winde und Schwerlastrollen auf einer zehn Quadratmeter großen Plattform in die Höhe gehievt und dabei so gedreht, dass sie auf Rollen ins Innere geschoben werden konnten. Zum Schluss wurde das Kühlaggregat auf dem Flachdach montiert.


Beim Umzug eines Elektronikunternehmens muss auf die Empfindlichkeit einiger Komponenten Rücksicht genommen werden. Auch in diesem Fall findet die Fertigung teilweise im Reinraum statt. Wegen möglicher Verschmutzungen während des Transports legten die Planer deshalb besonderes Augenmerk auf Verpackung und Handling. Anlagen- und Zubehörteile wurden mit dem Nummern- und Farbcode-System gekennzeichnet, dass Hans Uwe Künne selber entwickelt hat. „Wichtig ist, jederzeit zu wissen, wo welches Teil hingehört“, sagt der Ingenieur, „sonst verlieren wir zu viel wertvolle Zeit beim Wiederaufbau.“
Besonders praktisch für das SCHORISCH-Team ist der direkte Übergang vom Bürotrakt in die Produktion. „Dadurch haben wir deutlich an Effizienz gewonnen“, lobt Vorstand Kirsten Schönharting den Einsatz der Ingenieure, „das Büro Künne hat einen klasse Job gemacht.“
Abdruck honorarfrei – 4.561 Anschläg

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Die tonnenschweren Fertigungsanlagen stemmt der Autokran mühelos in die Höhe. Fotos: Ingenieurbüro Künne
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Kaum Drehmöglichkeiten hatte der Autokran beim Hochhieven der tonnenschweren Anlagen in die neuen Produktionshallen. Fotos: Ingenieurbüro Künne
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Millimeterarbeit ist gefragt, wenn die Anlagen von der Plattform in die Produktionshalle geschoben werden. Fotos: Ingenieurbüro Künne
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Teamarbeit ist das A und O beim Firmenumzug (von links): Matthias Lange (Projektplaner Ingenieurbüro Künne), Emil Schlumberger (verantwortlich für Umzug von Produktion und Logistik bei der SCHORISCH Gruppe), Nicola Seidel (Koordinatorin für den Büroumzug
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12.02.2016 09:58

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