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Gewerbegebiet Meerbusch-Krefeld - Gigantischer Landschaftsverbrauch

Meerbusch, 26. Februar 2016. Für den langjährig erfahrenen Architekten und Städteplaner Dieter Schmoll (64) ist das zurzeit von der Stadtverwaltung favorisierte Gewerbegebiet von Meerbusch und Krefeld an der A44 ein „interkommunales Monster“. Als Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft sowie des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Meerbusch spricht er sich vehement gegen das aus seiner Sicht völlig überdimensionierte und landschaftsverschandelnde Projekt aus.

„Bei dem geplanten Gewerbegebiet Meerbusch Krefeld im Umfang von 121 Hektar handelt es sich um eine fatale Fehlplanung, die sich allein durch den Verweis auf - überdies sehr ungewisse - Gewerbesteuereinnahmen nicht rechtfertigen lässt.“, so Dieter Schmoll. „Wir würden im Norden unserer Stadt landschaftlich kostbare Freiräume bestehend aus fruchtbarer Lehmlöserde der Kempener Platte dauerhaft versiegeln und zugunsten einer krassen, überdies hässlichen Zersiedlung unwiederbringlich zerstören. Das wäre ein unverantwortlicher gigantischer Landschaftsverbrauch auf Kosten künftiger Generationen.“

Argumente im Einzelnen, die aus UWG-Sicht die Fehlplanung des neuen Gewerbegebietes unterstreichen und gegen seine Realisierung sprechen:

Kurzsichtigkeit – Die Planung eines verkehrstechnisch vor allem von der Autobahn durch LKW-Güterverkehr erschlossenen Gewerbegebiets Meerbusch- Krefeld stellt eine isolierte kurzsichtige Betrachtungsweise dar, denn es nimmt bisher keinerlei Bezug zu dem parallel vom Land NRW fest geplanten Ausbau des „Eisernen Rheins“, einer Güterbahnlinie, mit der eine deutliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Binnenschifffahrt und die Schiene angestrebt wird. Dieser Bahntrasse, die Waren aus dem Ruhrgebiet und Köln zum Antwerpener und Rotterdamer Hafen transportiert, wird vom Land NRW eine zentrale Bedeutung beigemessen, weshalb sie ausdrücklich wiederbelebt und ausgebaut werden soll. Inwieweit diese in alternativen Streckenführungen vorgesehene Eisenbahnverbindung mit der bisher frei schwebenden Planung eines Gewerbegebietes Meerbusch Krefeld kollidiert, ist daher völlig offen.

Finanzielles Risiko – Die UWG stellt den Bedarf eines erneuten Gewerbegebiets in Meerbusch, noch dazu eines derart großen, grundsätzlich in Frage. Die bisher immer noch ungenutzten freien Kapazitäten an attraktiven Gewerbeflächen im Mollsfeld und dem Böhler Areal sprechen eine andere Sprache. Es steht daher in keiner Weise fest, ob sich in einem neuen Gewerbegebiet überhaupt eine ausreichend große Zahl von Betrieben ansiedeln ließe und nicht Leerstände vorproduziert sind. Zudem müsste die Stadt Meerbusch erheblich ins Risiko gehen und teils aufwändige Erschließungsmaßnahmen vorfinanzieren. Drohende Leerstände würden auch deren Refinanzierung gefährden und könnten demzufolge einen Unterbietungswettbewerb bei den Mieten auslösen, bei dem die Städte Krefeld und Meerbusch jeweils Betriebe in ihr Stadtgebiet locken wollen, um die Gewerbesteuereinnahmen für sich zu erzielen.

Emissionen – Die Bürger von Meerbusch sind bereits stark belastet durch die Emissionen des Flugverkehrs vom Düsseldorfer Flughafen und der umgebenden Autobahnen. Das erwartbar höhere Verkehrsaufkommen durch ein weiteres Gewerbegebiet im Norden wird sich zusätzlich durch weitere Feinstaubemissionen belastend auf das Straßenverkehrsnetz im gesamten Raum Meerbusch auswirken. Im Gegenteil wäre daher eher der Ausbau weiterer grüner Lungen wie zusätzlicher Waldbereiche nötig, statt verbliebene Kulturlandschaften großflächig zu versiegeln.

Ästhetik – Wollen wir für unseren Meerbuscher Norden eine ähnliche Zersiedlung zulassen wie bei vielen Städten im Ruhrgebiet, die an ihren Rändern lieblos und planlos bis zur Unkenntlichkeit ihrer Identität ineinander übergehen? Die Lieblosigkeit der Architekturen in solchen Gewerbegebieten ist ja bekannt. Man denke nur an die monotonen Logistikhallen mit menschenleeren automatisierten Hochregallagern drinnen und tristen Wellblechfassaden draußen, die dann weithin sichtbar das Landschaftsbild prägen: Maßstabslose Bauriegel, 200 Meter lang, 50 Meter breit, 20 Meter hoch, vor die man dann aus Scham kleine Bäumchen setzt.
505 Wörter • 3.939 Leerzeichen (inkl. Leerzeichen)
Abdruck honorarfrei • Belegexemplar erbeten

26.02.2016 09:19

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