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Kontroverse um Dämmstoffentsorgung beseitigt

Gefahrstoff Polystyrol? – Ein Missverständnis! Ist meine Dämmung gesundheitsschädlich? Kann ich unser Zuhause noch guten Gewissens mit Baustoffen auf der Basis von Polystyrol dämmen? Das sind Fragen, die sich Hauseigentümer und bauwillige Familien nach aktuellen Medienberichten – angefangen von der TV-Sendung „Mario Barth deckt auf“ bis zur Seite eins führender deutscher Tageszeitungen – stellen.
Hersteller und Politik geben nun Antworten.
„Die gute Nachricht vorweg: Die konfuse Entsorgungssituation von Dämmmaterialien aus dem Abriss ist gelöst und wird sich in den kommenden Wochen entspannen“, sagt Norbert Buddendick von der Fachvereinigung Polystyrol-Extruderschaum (fpx e.V.). „Wir gehen davon aus, dass sich dadurch auch diverse Missverständnisse auflösen.“ Denn: Polystyrol-Dämmstoffe, auch mit dem Flammschutzmittel HBCD (kurz für Hexabromcyclododecan) behandelt, haben keine direkt giftige oder gesundheitsgefährdende Wirkung.

Grund für die Verunsicherung war die verschärfte Umsetzung einer EU-Richtlinie durch den Deutschen Bundesrat. Dieser hatte HBCD, das gemäß der Stockholmer-POP-Konvention seit 2014 als umweltschädlich gilt und aus europäischen Werkstoffkreisläufen beseitigt werden soll, zum 1.

Foto: (FPX Fachvereinigung)

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Oktober 2016 zusätzlich als „gefährlichen Abfall“ deklariert. Eine Entscheidung, die nicht nur Sorge bei Bauherren und Hausbesitzern auslöste, sondern auch zu einem handfesten Entsorgungschaos führte: Das deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz fordert eine strikte Trennung sowie gesonderte Entsorgung von Gefahrstoffen. Da den meisten Verbrennungslagen entsprechende Technik und Zulassung fehlen, verweigerten sie schlicht die Annahme von Styroporplatten. Handwerker und Bauherren saßen auf ihrem Bauabfall fest und mussten mit erheblichem Mehraufwand bei der Entsorgung rechnen.

Inzwischen hat sich das Problem aber weitgehend aufgelöst: „Die Umsetzung war formal konsequent, aber nicht praxisgerecht. Die beste Entsorgung und Neutralisierung des Polystyrol-Dämmmaterials und des darin enthaltenen Flammschutzmittels HBCD bleibt die Verbrennung im Gemisch mit normalem Abfall“, so Buddendick. Das hat inzwischen auch die Politik erkannt. Das Bundesumweltministerium bat die Länder um Rücknahme der Sondermüll-Einstufung. Hessen und Baden-Württemberg reagierten bereits mit einem entsprechenden Erlass, der formales Recht und optimale Gefahrstoffentsorgung zusammenbringt: „Der Erlass regelt, dass HBCD-haltige Dämmplatten abweichend vom Grundsatz des Kreislaufwirtschaftsgesetzes bis auf weiteres nicht an der Baustelle getrennt werden müssen. Darüber hinaus handelt es sich, wenn im Baumischabfall nicht mehr als 0,5 Kubikmeter HBCD-haltige Dämmplatten pro Tonne Gesamtgewicht enthalten sind, nicht um gefährlichen Abfall. Dieser kann dann wie bisher in Hausmüllverbrennungsanlagen verbrannt werden“, erklärte Priska Hinz, Hessens Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in einer Presseaussendung. Die anderen Bundesländer bereiten ähnliche Entscheidungen vor. Es ist bei der Gemischtverbrennung erfahrungsgemäß nicht von Auswirkungen auf die Umwelt auszugehen.

Auch für den Anwenderbereich gibt es von Expertenseite klare Entwarnung. Eine Gefährdung durch Polystyrol-Dämmmaterialien mit HBCD bestand zu keiner Zeit. „HBCD als Flammschutz ist in die molekulare Struktur behandelten Polystyrols eingebaut und somit fest in die Matrix eingebunden“, erklärt Buddendick.
Seit August 2015 produzieren alle Mitglieder der Fachvereinigung HBCD-frei und sind daher von der Sondermüllregelung nicht mehr betroffen. Für energieeffizientes Bauen und die Reduzierung der CO2-Emissionen von Gebäuden ist und bleibt die Dämmung unverzichtbar. Mit seinen Eigenschaften ist der Dämmstoff, zum Beispiel Extruderschaum (XPS), besonders für Keller oder zur Anwendung bei Flachdächern geeignet.“

27.10.2016 11:00

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