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Mehr als nur Kosten reduzieren.

Energiemanagement ist mittlerweile ein Begriff, der sich in vielen Unternehmen durch die gesetzlichen Regelungen verbreitet hat.
Trotzdem wissen viele Unternehmen zu wenig über die Möglichkeiten und Einspareffekte dieses Systems. Dazu sprachen wir mit dem Autor, unabhängigen Energieeffizienzberater und Energiemanager Karsten Spahn.

Herr Spahn, an Sie als Energieeffizienzberater und Energiemanager gleich die erste Frage: Nach Qualitäts- und Umweltmanagement nun noch Energiemanagement. Haben unsere Unternehmen auch noch Zeit, Produkte zu produzieren und zu verkaufen?

Lassen Sie mich mit einer Gegenfrage antworten: Sollte ein Unternehmen seine Kennzahlen kontrollieren oder einfach auf gut Glück Produkte einkaufen, produzieren und verkaufen? Richtig angewandt sind solche Managementsysteme gute Controlling Instrumente, um Abläufe zu kontrollieren, zu optimieren und so kosteneffizienter zu werden.

Was bedeutet der Begriff Energiemanagement?

Energiemanagement ist das Management der Energiekosten, somit elementarer Bestandteil einer Unternehmenskultur, um Kosten im Griff zu haben. Man unterscheidet zwischen Gesamtkonzepten, die strategisch in Richtung Energienutzung, -beschaffung und -planung ausgerichtet sind und Detailkonzepten, die sich auf spezielle Aspekte der Energienutzung wie Energieeffizienz, Nutzung vorhandener Wärmequellen, Stoffstrommanagement, Dämmung oder Eigenerzeugung konzentrieren. Energiemanagementsysteme, zumeist in der Kurzform als EnMS bezeichnet, stellen den Rahmen dafür dar.

Warum gewinnt Energiemanagement immer stärker an Bedeutung?

Im Moment erscheinen die aktuellen Preise für den reinen Energiebezug recht günstig, das betrifft aber nicht die Gesamtkosten für Energie. Das liegt vor allem an den hohen Umlagen, Abgaben und Steuern, aber auch der Ineffizienz vieler Prozesse. Das führt auch hier zu einem permanenten Druck, Kosten einzusparen. Hinzu kommt die immer stärker werdende öffentliche Meinung, umweltbewusster und sparsamer mit den Ressourcen der Erde umzugehen. Das hat ja auch die Politik aufgenommen und den Betrieben eine Vielzahl gesetzlicher Auflagen zur Steigerung der Energieeffizienz gemacht.

Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es?

Zum einen sind große Unternehmen (Nicht- KMU) durch das Energiedienstleistungsgesetz verpflichtet, Energieaudits durchzuführen oder die ISO 50001 bzw. ein Umweltmanagementsystem einzuführen.

Darüber hinaus haben Unternehmen die Chance, mit einem Energiemanagementsystem (EnMS) Energie- und Stromsteuer zurück zu fordern oder EEG-Abgaben zu reduzieren. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Größe eines Unternehmens. Als kleines und mittleres Unternehmen (KMU) sind dazu entweder Energieaudits nach DIN 16247-1 durchzuführen oder ein sogenanntes alternatives System zu betreiben. Große Unternehmen können wählen, entweder ein System nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem einzuführen.

Wie wird ein Energiemanagementsystem eingerichtet?

Die ISO 50001 beschreibt den Prozess zur kontinuierlichen Verbesserung der Energieeffizienz. Basis ist die Benennung eines Energiemanagers, die Definition von Energiepolitik und strategischen Energiezielen sowie die Erfassung der energetischen Ausgangsbasis. Auch hier sollte wie bei anderen Systemen ein Rechtskataster angelegt werden. Mitarbeiter werden mit dem System vertraut gemacht und interne sowie externe Audits durchgeführt. Eine Kombination mit anderen, bereits bestehenden Managementsystemen ist sinnvoll und kann Kosten reduzieren.

Aufbau und Umsetzung des sogenannten „alternativen Systems“ sind deutlich einfacher. Aber auch hier gilt, kontinuierlich an der Verbesserung der Energieeffizienz zu arbeiten, sonst wird der Auditor „ungemütlich“. Das hier notwendige Energieaudit als sich wiederholender Prozess, nach Energiedienstleistungsgesetz jeweils innerhalb von 4 Jahren, führt ebenfalls zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Wichtig ist, dass die Geschäftsleitung die Zielrichtung vorgibt und den Effizienzgedanken vorlebt. Die Mitarbeiter sollen den Sinn des Systems verstehen, was viel Überzeugungsarbeit bedeutet. Hier ist Geduld gefragt. Die Systeme sollen sich in die betrieblichen Abläufe integrieren.

Wer darf solche Managementsysteme testieren?

EnMS nach EEG sowie Strom-/Energiesteuergesetz dürfen nur akkreditierte Stellen testieren oder zertifizieren. Energieaudits nach dem Energiedienstleistungsgesetz dürfen zugelassene Personen durchführen. Das bedeutet, dass auch eigene Mitarbeiter hierzu befähigt sein können. Man muss lediglich die gestellten Voraussetzungen erfüllen und sich registrieren lassen.

Welchen Erfolg gibt es bisher mit Energiemanagementsystemen?

Um die Einspar- oder Rückzahlungseffekte realisieren zu können, mussten die Erstaudits in den betroffenen Unternehmen bis zum 5.12.2015 durchgeführt werden. Hier ging es noch tatsächlich eher um die Erfüllung einer gesetzlichen Vorgabe. Erst im Nachhinein merken Unternehmen jetzt die Einspareffekte, die sich aus dieser Vorgehensweise für sie ergeben.

Ohne ISO 50001 bekommen die Unternehmen keine EEG-Umlage reduziert oder Energie- und Stromsteuer erstattet. Somit ergibt sich durch das Zertifikat für die Unternehmen ein direkter Einspar- oder Rückzahleffekt und das sind vielfach sehr hohe Beträge. Darüber hinaus haben Unternehmen in fast allen Fällen bereits im Laufe der Einführung eines EnMS ohne großen Aufwand schnell erhebliche Einsparungen erzielt. Regelmäßige Audits werden diesen Effekt verstärken. Auch wenn in vielen Unternehmen die Energiekosten nur 2-4% der Rohstoffkosten ausmachen, können bei den heutigen geringen Margen oft durch die Einsparung Gesamtgewinne verdoppelt werden, wie ein Beispiel eines Unternehmens aus Hessen zeigt.


Was sind die Herausforderungen für den Energiemanager?

Ein Energiemanager ist häufig ein Einzelkämpfer, er hat mit den üblichen Themen eines Unternehmens wenig zu tun. Daher fällt es einem fest angestellten Mitarbeiter häufig schwer, das richtige Gehör zu finden und sich auch umfassend mit den Aufgabenstellungen zu beschäftigen. Trotzdem macht es für große Unternehmen Sinn, diese Position mit einem eigenen Mitarbeiter zu besetzen. Dieser Mitarbeiter kümmert sich um den organisatorischen Ablauf, schult seine Kollegen und zieht bei Bedarf Energieeffizienz Spezialisten zu. Ziel ist nicht nur die Ermittlung von Einspareffekten, sondern auch die Sensibilisierung der Mitarbeiter für diese Themen.

Kleine und mittelständische Unternehmen arbeiten vorwiegend mit externen Beratern, weil hier Kosten für einen eigenen Mitarbeiter und der Nutzen aus den Einsparmöglichkeiten nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Generell muss ein Energiemanager in der Lage sein, durch seine Erfahrungen im Energiemarkt die Zusammenhänge von Themen wie Energieeinkauf, Netznutzung, Energiedatenmanagement. Meldepflichten, Anlagengenehmigungen, Wirkungsgraden, Anlagentechnik, Förderungen und so weiter richtig verstehen und einschätzen zu können. Ist man damit alleine im Unternehmen, fällt der Know how-Zuwachs durch mangelnden Austausch schwer.

Wie wird es in der Zukunft weitergehen?

Es zeigt sich schon jetzt: Die Anforderungen werden höher. Neue und verschärfte Normen nach der ISO 50000er-Reihe sind für die Unternehmen verpflichtend einzuhalten. Zudem will die EU die Einsparziele der Effizienzrichtlinie auf mindestens 27 % bis 2030 erhöhen, teilweise werden sogar 40 % gefordert. Damit werden die Anforderungen steigen. Die Wahl zum Bundestag in diesem Jahr dürfte die Energiewende und Energieeffizienz ebenfalls zum Thema haben. Da ist es sinnvoll, am Ball zu bleiben.

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28.03.2017 10:05

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