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Nur Wiedervernässung und Renaturierung kann UNESCO Weltnaturerbe Bialowieza retten – nicht die Motorsäge

(Frankfurt, 9. Dezember 2016) Mit einem großen Bagger setzte Alexander Bury, der Direktor des weißrussischen Nationalparks Belovezhskaya Pushcha, vor wenigen Tagen zum symbolischen Spatenstich an. Damit begann nach einer einjährigen Vorbereitungsphase die Wiedervernässung von 1.100 Hektar Niedermoorflächen in Belovezhskaya Pushcha.
Der Nationalpark ist der Teil des polnisch-weißrussischen Bialowieza-Waldkomplexes, der auf der Seite Weißrusslands liegt. Auf polnischer Seite grenzt der Bialowieza Nationalpark an.

Es ist ein erster Schritt, um den natürlichen Wasserhaushalt im Waldgebiet wiederherzustellen.75 Kilometer an Entwässerungsgräben werden in den nächsten sechs bis acht Wochen mit 112 Dämmen verschlossen werden, damit das Wasser sich wieder aufstauen kann. Schon nach kurzer Zeit wird sich der Wasserspiegel wieder knapp an der Erdoberfläche einpendeln und hoffentlich schon nach wenigen Jahren werden auf dieser Fläche wieder seltene Vogelarten wie die Doppelschnepfe und der Wachtelkönig vorkommen. An den Waldrändern wird der ebenfalls seltene Schelladler Nahrung und Brutmöglichkeiten finden, denn er bevorzugt feuchte und nasse Übergange zum Wald, wie sie durch die Renaturierung wieder entstehen würden.
Die Wiedervernässung des Dziki Nikar Niedermoores wird gemeinsam umgesetzt von der Nationalparkverwaltung Belovezhkaya Pushcha (Belarus), der weißrussischen Naturschutzorganisation APB BirdLife Belarus und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF

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Signal an die polnische Seite: die Motorsäge bringt nichts!

„Jetzt wird der einzigartige Wald von Bialowieza bzw. Beloveshkaya Pushcha wie er in Weißrussland genannt wird, wieder ein wenig wilder“, sagt Viktar Fenchuk, ZGF-Projektleiter vor Ort. „Wir hoffen, mit der Wiedervernässung des Niedermoores auch ein Zeichen gegen die Abholzungspläne der polnischen Regierung setzen zu können“, so Fenchuk weiter.

Während auf weißrussischer Seite renaturiert wird, plant die polnische Regierung, trotz nationaler und internationaler Proteste, im naturnahen Wald rund um den Bialowieza Nationalpark, massiv Holz einzuschlagen. Damit gefährdet sie die natürliche Entwicklung des Waldes und den Status als UNESCO Weltnaturerbe. Das polnische Umweltministerium argumentiert, die Holzeinschläge würden dem Schutz des Waldes dienen und begründet dies mit der Trockenheit im Wald und der Gefahr durch Borkenkäfer.

„Nicht die Abholzung von Bäumen löst die möglicherweise bestehenden Probleme mit Trockenheit, sondern man muss dem Wald wieder seine Funktion als Wasserspeicher zurückgeben. Und das tun die weißrussischen Kollegen jetzt“, sagt Michael Brombacher, Referatsleiter der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und für das Projekt zuständig „Nur Wiedervernässung und Renaturierung kann das UNESCO Weltnaturerbe retten, nicht die Motorsäge!“

Widerstand gegen die Abholzungen

Die in Polen geplanten Eingriffe stehen im Gegensatz zu den EU-Naturschutzrichtlinien und allen Vereinbarungen, die in Zusammenhang mit der Einrichtung des UNESCO Welterbe-Gebietes getroffen wurden. Sie werden von der IUCN, der UNESCO, dem Europarat, zahlreichen Naturschutzorganisationen sowie internationalen und polnischen Waldökologen, Naturschutzexperten und Forstwissenschaftlern strikt abgelehnt.

Der Holzeinschlag schadet der Biodiversität des Gebietes. Denn in einem Naturwald bzw. einem naturnahen Wald stellt der Borkenkäfer keine großflächige Bedrohung dar. Der Wald kann mit diesem vermeintlichen Problem ohne Zutun des Menschen umgehen, wie Erfahrungen aus dem Nationalpark Bayerischer Wald zeigten.

Der ausgedehnte Waldkomplex Bialowieza ist einer der letzten großen Naturwälder Europas. Hier gibt es Urwaldreste und sehr naturnahe Waldbestände so groß wie nirgendwo sonst in West- und Mitteleuropa. Das Waldgebiet von mehr als 200.000 Hektar liegt etwa zu gleichen Teilen auf polnischer und auf weißrussischer Staatsseite. Große Teile von Bialowieza sind UNESCO Welterbe-Gebiet.

Die Wiedervernässung des Dziki Nikar Niedermoores wird gemeinsam umgesetzt von der Nationalparkverwaltung Belovezhkaya Pushcha (Belarus), der weißrussischen Naturschutzorganisation APB BirdLife Belarus und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Sie wird finanziert durch die ZGF, die Manfred-Hermsen-Stiftung, die Stiftung Vogelschutz in Feuchtgebieten und weitere private deutsche Stiftungen.


HINTERGRUND:
Der Bialowieza Urwald

Große Teile des Belovezhskaya Pushcha Nationalparks auf der weißrussischen Seite wurden in der Vergangenheit stark forstlich genutzt. Vom einstigen Urwald sind dort nur noch geschätzte 8.000 Hektar übriggeblieben. Die Regierung Weißrusslands hat 2012 reagiert und die Kernzone des Parks von 30.000 Hektar auf 60.000 Hektar erweitert. Bereits im Frühjahr 2013 wurden Jagd, Wildfütterung und Holznutzung auf dieser Fläche komplett eingestellt. Damit ist der Bereich des Nationalparks, in dem sich die Natur nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten frei und vom Menschen ungenutzt und unbeeinflusst entwickeln kann, fast viermal so groß wie im Nationalpark Bayerischer Wald.

Das natürliche Wasserregime des Bialowieza Urwaldes ist durch großflächige Entwässerungen und Flussbegradigungen, die seit 1950 vor allem auf der weißrussischen Seite des Waldes stattfanden, nachhaltig gestört. Für den Wald typische Baumarten wie Eiche, Ulme, Esche und Linde sowie Weißtanne und Fichte verjüngen sich kaum noch auf natürliche Weise. Der Grund dafür ist das starke Absinken des Grundwasserspiegels um durchschnittlich 1-1,5 Meter durch die Entwässerung von Niedermooren am Rand des Waldes und die Begradigung der nach Nordwesten, in Richtung Polen, entwässernden Flüsse.


PRESSEKONTAKT:
Dagmar Andres-Brümmer | ZGF-Kommunikation
Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Bernhard-Grzimek-Allee 1, 60316 Frankfurt
Telefon ++49 (0)69 - 94 34 46 11
E-Mail:

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Die Wiedervernässung des Dziki Nikar Niedermoores wird gemeinsam umgesetzt von der Nationalparkverwaltung Belovezhkaya Pushcha (Belarus), der weißrussischen Naturschutzorganisation APB BirdLife Belarus und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). ©A
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09.12.2016 13:58

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