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Rauhautfledermaus gerettet- Überwinterte Langstreckenfliegerin kann im Frühjahrszug mitfliegen

Einen besonderen Fund machte Familie Steiner aus Neuhaus-Schiernitz im Landkreis Sonneberg am 21. Januar 2017. Sie entdeckten eine Rauhautfledermaus (wiss.: Pipistrellus nathusii), die kältestarr und mit leichten Erfrierungen in der Nähe des Wohnhauses am Boden lag.
Familie Steiner holte sich Rat und Hilfe bei der Interessengemeinschaft Fledermausschutz- und Forschung Thüringen e.V. (IFT e.V.) und konnte dank Anleitung das kleine Tier erstversorgen. Im Weiteren kümmerte sich Gunter Berwing, ein engagiertes Mitglied der IFT, um das Tier, holte es ab und vermittelte es an Dagmar Papadopoulos, die die weitere fachkundige Betreuung und Pflege gewährleistete. Hier kam die kleine Rauhautfledermaus wieder zu Kräften und wurde dann am Abend des 29. März 2017 bei milden Temperaturen wieder in die Freiheit entlassen.
Über die Ursachen des Fundes kann man nur mutmaßen. Eine Möglichkeit ist, dass die kleine Fledermaus, die ungefähr die Größe einer Streichholzschachtel hat, aus ihrem Unterschlupf aufgeschreckt wurde und aufgrund der kalten Temperaturen nicht wieder in ihr Versteck gelangte.
Die gerettete Rauhautfledermaus in Pflege. Im Hintergrund ist am linken Flügel der Ring mit den Beringungsdaten zu erkennen (Foto: P. Altrichter).

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Inwiefern die aufgefundene Fledermaus hier einen regelmäßigen Winterunterschlupf hatte oder nur ausnahmsweise hier überwinterte, ist ebenfalls unbekannt. Thüringen gilt für die als wandernde Art bezeichneten Rauhautfledermäuse vornehmlich als Durchzugsgebiet und ist nur ausnahmsweise als Überwinterungsgebiet bekannt. Die Überwinterungsgebiete liegen überwiegend weiter im Südwesten wie z.B. in der Schweiz und Südfrankreich. Die Sommeraufenthaltsgebiete befinden sich dagegen weiter nordöstlich bis in Polen und das Baltikum.
Aus dem Baltikum kam auch die gerettete Rauhautfledermaus. Sie ist ein mit einem Ring markiertes Exemplar. Solche Beringungsmarkierungen werden zu wissenschaftlichen Zwecken an vielen Individuen durchgeführt, um mehr über das Wanderverhalten der Fledermäuse zu erfahren. So wurden in der lettischen Forschungsstation in Pape im Spätsommer 2016 mehr als 4000 Rauhautfledermäuse beringt und wieder freigelassen. Wird solch ein beringtes Tier wiedergefunden, kann man Rückschlüsse über die Zugwege, Aufenthaltsgebiete und zurückgelegten Strecken ziehen. Am Ring der gefundenen Rauhautfledermaus ist abzulesen, dass sie in Kaliningrad in der Biologischen Station Fringilla im Oktober 2016 gefangen und beringt wurde.
Der Fund in Sonneberg bedeutet nun, dass diese Rauhautfledermaus auf ihrer Wanderung von Kaliningrad zum Fundort eine Strecke von über 832 km zurückgelegt hat. Damit ist sie die nachgewiesenermaßen am weitesten gewanderte Fledermaus, die bisher in Thüringen gefunden wurde. Das unterstreicht den Ruf der Rauhautfledermäuse als fernwandernde Art. Die kleinen Tiere legen zweimal im Jahr, im Frühjahrs- und im Herbstzug diese weiten Strecken zurück, die für die in Südfrankreich überwinternden Tiere mit bis zu 1400 km noch länger sind. Dabei fliegen die Fledermäuse immer im aktiven Flug, denn sie sind nicht zum Gleitflug fähig, wie z.B. die Zugvögel.
Welch glücklicher Umstand der Wiederfund der kleinen Rauhautfledermaus ist, zeigt auch die Wiederfundrate dieser Art von gerade einmal 10% der beringten Tiere, wie eine Langzeitstudie der Fledermausmarkierungszentrale Dresden von 1964 bis zum Jahr 2000 zeigt.
Die hier geschilderte Geschichte der geretteten Rauhautfledermaus fügt dem Wissen über die kleinen Langstreckenflieger und der Rauhautfledermäuse in Thüringen einen weiteren Mosaikstein hinzu. Trotzdem bleiben noch viele Fragen zu beantworten: Was machen die ziehenden Fledermäuse bei einem Kälteeinbruch, wie wir ihn aktuell erleben? Finden Sie auf ihrem Weg ausreichend Unterschlupfe, um sicher wärmere Temperaturen abzuwarten? Wie können wir Menschen den Fledermäusen helfen? Die Stiftung FLEDERMAUS widmet sich in ihrer Arbeit solchen Fragen. Die Stiftungsmitarbeiter beraten gern jeden Interessierten zu Fragen rund um den Fledermausschutz. Die Stiftung FLEDERMAUS erreichen Sie im Internet unter http://www.stiftung-fledermaus.de oder telefonisch unter 0361 2655980.

Hintergrund: Stiftung FLEDERMAUS
Die Stiftung FLEDERMAUS widmet sich bundesweit dem Schutz und der Erforschung von Fledermäusen. Sie ist landesweit die erste und einzige Stiftung, die sich speziell den Fledermausschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Gegründet wurde die Stiftung im Bewusstsein, dass zukünftig die Zusammenarbeit bei der Erreichung von Naturschutzzielen auf Bundes- und europäischer Ebene verstärkt werden muss. Dazu sollen neue Formen des Zusammenwirkens zwischen klassischem, ehrenamtlichem Naturschutz, behördlichen Einrichtungen und am Gemeinwohl orientierten Partnern aus der Wirtschaft gefunden werden. Die Stiftung Fledermaus will dabei unterstützen und bietet sich als Partner an.

Bilddateien:


Die gerettete Rauhautfledermaus in Pflege. Im Hintergrund ist am linken Flügel der Ring mit den Beringungsdaten zu erkennen (Foto: P. Altrichter).
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20.04.2017 09:58

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