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Rettungsmaßnahmen für Vaquita, die „kleine Kuh“ - Delfine sollen vom Aussterben bedrohte Hafenschweinswale aufspüren

(pur). Mehrere Naturschutzorganisationen und Experten sind bestrebt, einige der letzten etwa 30 Vaquitas im Golf von Kalifornien (Mexiko) einzufangen und sie zum Zwecke von Schutz und Fortpflanzung in einem vor der Küste gelegenen abgesperrten Areal zu halten.

Aufspüren sollen die scheuen kleinen Meeressäuger darauf trainierte US-Militärdelfine. Ein Testlauf war bereits erfolgreich, bei dem die Militärdelfine gewöhnliche Schweinswale erfolgreich anzeigten. Doch das geplante Einfangen mit Netzen ist ein heikles Unterfangen. Der Stress beim Fang kann für geschwächte Tiere tödlich sein. Das semi-natürliche Areal für die Haltung muss groß genug sein – und: Werden die Tiere genügend Nahrung bekommen, gelingt eine Zufütterung? Wie kann man die Übertragung von Krankheiten auf engem Raum vermeiden? Viele offene Fragen.
Diese Vorgehensweise kann nur ein letzter, verzweifelter Versuch sein, die Art zu retten. Bei Pandas, Tigern und Huftieren beispielsweise ist es gelungen, in Gefangenschaft weiter zu züchten und die Tiere zu vermehren, ja manchmal wieder auszuwildern. Doch ein Meeressäuger ist etwas ganz anderes.
Zudem ist die Population mit so wenigen Tieren bereits an einem genetischen Engpass angelangt. Wie sich die begrenzte genetische Vielfalt auswirkt und ob schon Inzuchtprobleme auftreten, wird man erst in einigen Jahren wissen, wenn es überhaupt dazu kommt. Denn schon in zwei Jahren könnte bei der jetzigen Mortalitätsrate der Vaquita ausgestorben sein. Die Weibchen gebären nur alle zwei Jahre und es lebt nur noch eine Handvoll fortpflanzungsfähiger Weibchen in der Population. Alles ein hohes Risiko und vielleicht schon zu spät, um ein Aussterben wie beim Chinesischen Flussdelfin zu verhindern...

Chinesische Medizin als Artenkiller
Doch wie konnte es so weit kommen, obwohl seit Jahren das schnelle Schrumpfen der Population der weltweit kleinesten Wale Anlass zu Sorge gibt? Die mexikanische Regierung hatte bereits verschiedene Schutzmaßnahmen erlassen, ein Schutzgebiet eingerichtet (Biosphärenreservat 1993, Refuge Area 2005), in dem die Nutzung von Stellnetzen – der Haupttodesursache – verboten ist und Mittel für die Schaffung alternativer Einkommensquellen und Umschulungsmaßnahmen für die Fischer zur Verfügung gestellt.
2011 schienen die Maßnahmen zu greifen, doch dann stieg mit einem Mal der Preis für eine andere im Gebiet beheimatete Art, dem Totoaba, einem Umberfisch, der im ausgewachsenen Zustand etwa so groß ist wie ein Hafenschweinswal (1,2-1,5 Meter). Seine Schwimmblase wird in der chinesischen Medizin verwendet und bringt auf dem Schwarzmarkt etwa 10.000 US-Dollar - in China gar bis zu 50.000 US-Dollar.

Dies war und ist Anreiz genug, die illegale Fischerei im Lebensraum der bedrohten Wale und Umberfische anzuheizen. So sterben die Vaquitas nun in illegalen Netzen. Das mexikanische Militär wurde eingesetzt, um gegen die illegalen Machenschaften vor Ort zu patrouillieren, doch oft liegen dessen Boote mit Maschinenschaden oder ohne Treibstoff im Hafen. Sea Shepherd – die Organisation von Paul Watson – ist seit Jahren vor Ort und mit Einverständnis der Behörden im Einsatz. Unzählige illegale Netze wurden seitdem geborgen, doch die Wilderer werden immer dreister. 2013 wurde ein 73-jähriger Mann gefasst, der insgesamt 241 der begehrten Fisch-Schwimmblasen in seinem Besitz hatte, ein Wert von etwa 3,6 Millionen Dollar auf dem Schwarzmarkt.

Kontrollen verschärfen, Wilderern das Handwerk legen, den Handel unterbinden
Alle Anstrengungen durch internationale Hilfe und Zusammenarbeit sind vonnöten, das urspüngliche Verbreitungsgebiet dieser kleinsten aller Wale zu schützen und dort jegliche Nutzung zu untersagen. Nur mit einem absoluten Nutzungsverbot kann auch effektiv kontrolliert und den Walen eine Überlebenschance in ihrem natürlichen Lebensraum gegeben werden. Ausgleichsfonds für Fischer müssten geschaffen und alternative Erwerbsquellen gefunden werden. Die Fischer sollten in die Schutzbemühungen mit eingebunden sein, die mexikanische Regierung müsste das Fischereiverbot effektiver kontrollieren und international in ihrem Handeln unterstützt werden.

Nach Aussage vor Ort arbeitender Biologen herrschen im Gebiet der Vaquitas mittlerweile die „Warlords“. Der illegale, höchst lukrative Fang und Handel mit der Schwimmblase des Totoaba nach Asien verursacht den tödlichen Beifang vieler der kleinen Walen. Die eingesetzten Netze und Bojen sind oft ganz neu, das heißt, es steckt kein armer Fischer dahinter.

Der unsinnige Handel mit angeblich medizinisch wirksamen Produkten bedrohter Tiere gefährdet viele Arten weltweit, dies müsste endlich gestoppt werden sowie die chinesische Medizin auf pflanzliche oder synthetische Produkte umsteigen, so dass keine Wildtiere dafür zu Tode kommen oder gar ausgerottet werden.

Ziel aller Bemühungen muss letztendlich sein, Vaquitas und andere bedrohte Arten in freier Wildbahn zu erhalten und ihren Lebensraum ausreichend zu schützen. Denn nur die Art mit wenigen Tieren in Gefangenschaft zu erhalten kann kein vernünftiges und langfristiges Ziel sein.

Weitere Informationen im Internet unter https://walschutz.org/ , ein prämierter Film von Wild Lens unter http://vaquitafilm.com/watch-int

Zum Namen:

Lat. Phocoena sinus, der Golftümmler oder Kalifornische Schweinswal. Vaquita („kleine Kuh“) ist der spanische Kosename für den kleinen Wal.

Direktkontakt:

Schweinswale e.V.
Denise Wenger
Daiserstr. 6
81371 München
Tel.: 089-7257575
Mob.: 0176-22208271
Mail:
Web: https://walschutz.org/

22.08.2017 18:07

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