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Rezept für Gründer: Netzwerk, Mut und Glück

Science2Start-Preisträger 2015: Reutlinger NMI, Universität Tübingen und Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme
(Stuttgart/Tübingen) - Bei der Science2Start-Preisverleihung im Rahmen des BioRegio STERN Sommerempfangs 2015 in der Tübinger Sternwarte wurde erneut wissenschaftliche Exzellenz aus der Region ausgezeichnet: Die Sieger kommen in diesem Jahr vom Reutlinger NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen, der Universität Tübingen und dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen (MPI). Platz eins belegte das NMI mit seinem Mikroelektroden-Mikrofluid-System MEAFLUIT, das neuronale Signalwege nachbildet und die Notwendigkeit von Tierversuchen bei der Entwicklung von Medikamenten deutlich reduzieren kann. Mit einem neuen Antibiotikum, das gegen multiresistente Keime wirkt, kamen Forscher der Universität Tübingen auf den zweiten Platz. Ebenfalls aus Tübingen kommt eine Wissenschaftlerin des MPI, die ein Hochfrequenz-Screening mit einem 3D-Körpermodell entwickelte, das Hautkrebs frühzeitig erkennen hilft.

Der traditionelle Sommerempfang der BioRegio STERN Management GmbH, zu dem sie gemeinsam mit dem Technologiepark Tübingen-Reutlingen GmbH und dem Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. eingeladen hatte, gilt längst als "Pflichttermin" für Wissenschaftler und Unternehmer - nicht nur aus der Life-Sciences-Branche. Auch zahlreiche Politiker, Berater und Investoren nutzten am Donnerstagabend die Gelegenheit zum Meinungsaustausch rund um die Tübinger Sternwarte. Ehrengast war Dr. Ingmar Hoerr, Gründer und Geschäftsführer der CureVac GmbH. Dieses Biotech-Unternehmen hatte vor wenigen Wochen eine Investition der Bill & Melinda Gates Stiftung in Höhe von 46 Millionen Euro zur Entwicklung innovativer Impfstoffe erhalten.

In seiner Laudatio für die drei Erstplatzierten des siebten Science2Start-Ideenwettbewerbs sprach Hoerr über das Wesen des Gründens und stellte fest: "Man geht in ein Nirwana hinein, ohne zu wissen, was passieren wird. Man kann es gar nicht genug schätzen, dass wir Gründer haben, die sich darauf einlassen." Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung rät er vor allem zur Standfestigkeit: "Gründen ist nicht das Schwerste, das Durchhalten ist wesentlich schwerer." Sein Rezept: ein Netzwerk, ein Team, Mut - und auch ein wenig Glück.

Die Gewinner des Science2Start-Wettbewerbs haben die erste Hürde bereits gemeistert, ihre Ideen einer unabhängigen Jury präsentiert - und überzeugt.

1. Platz für Dr. Paolo Cesare, Reutlinger NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen, und sein MEAFLUIT-System
Um wirksame Medikamente zur Behandlung von neuronalen - also die Nervenzellen betreffenden - Erkrankungen zu entwickeln, müssen die Forscher häufig in Tierversuchen, die molekularen, zellulären und funktionellen Mechanismen von Parkinson, Alzheimer oder Epilepsie untersuchen. Dr. Paolo Cesare vom NMI kombiniert in seinem neuen Verfahren Mikroelektroden-Arrays (MEA) mit Mikrofluid-Technologien auf einem Chipsystem. MEAs sind miniaturisierte Analysechips für Laboranwendungen auf denen Zellen wachsen. Im Glas eingebettete Elektroden können die elektrischen Signale einzelner Zellen erfassen. Beim MEAFLUIT-System sind mehrere Kultivierungskammern auf einem solchen Chip mit mikrofluidischen - flüssigen - Strukturen verbunden. Dadurch wird es erstmals möglich, neuronale Signalwege funktionsspezifisch in vitro nachzubilden und beispielsweise Schmerzmedikamente schneller und ohne Tierversuche auf ihre Wirksamkeit zu testen.

2. Platz für Alexander Zipperer und Dr. Bernhard Krismer, Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin, sowie Martin Christoph Konnerth, Institut für Organische Chemie, von der Universität Tübingen und ihr neues Antibiotikum
Multiresistente Bakterien fordern immer mehr Todesopfer, da viele Wirkstoffe gegen Erreger wie MRSA inzwischen wirkungslos sind. Dem Team Alexander Zipperer, Martin Christoph Konnerth und Dr. Bernhard Krismer von der Universität Tübingen ist es gelungen, aus einem Bakterium, das natürlicherweise die Haut des Menschen besiedelt, einen Wirkstoff zu isolieren, der als neues Antibiotikum beispielsweise zur Bekämpfung von Atemwegsinfektionen eingesetzt werden könnte.



3. Platz für Dr. Federica Bogo vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen und ihr 3D-Ganzkörper-Screening-System
Hautkrebs ist weitverbreitet und die Vorsorge ist für den Verlauf entscheidend. Ob es sich um einen harmlosen Leberfleck oder um ein bösartiges Melanom, also Krebs, handelt, ist jedoch mit bloßem Auge auch von einem Hautarzt nicht immer zuverlässig zu erkennen. Dr. Federica Bogo vom MPI hat mit ihrem Team ein automatisiertes 3D-Ganzkörper-Screening-System entwickelt, das Dermatologen hilft, potenziell gefährlich veränderte Hautstellen frühzeitig zu identifizieren und sie automatisch zu analysieren.

Die Gewinner des diesjährigen Science2Start-Wettbewerbs erhielten Preisgelder in Höhe von insgesamt 4.500 Euro, die erneut VOELKER & Partner Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer als Sponsoren ausgelobt hatten. Gemeinsam feierten sie ihre Erfolge und nutzten - wie viele der annähernd 600 Gäste auf der Tübinger Sternwarte - am späten Abend die Gelegenheit, einen Blick durchs Teleskop ins Universum zu werfen. Gastgeber und BioRegio STERN-Geschäftsführer Dr. Klaus Eichenberg indes benötigte keinen Blick in die Sterne für sein Fazit. Auch mit Hinweis auf die aktuelle Cluster-Kooperation mit biosaxony e.V. aus Dresden, erklärte er: "Die Zukunft der Biotechnologie liegt in der Zusammenarbeit - mit anderen Branchen, mit anderen Regionen."

10.07.2015 16:02

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