Deutschlands großes Presseportal - Homepage
» kostenlos Pressemitteilung veröffentlichen
» Kunden Login zu "meine Redaktion"
»Suche / Lokale Suche
> Startseite > Recht & Gesetz

Lehman-Zertifikate und Bankenhaftung – Hanseatisches Oberlandesgericht weist Schadensersatzklagen zweier Anleger gegen Hamburger Sparkasse ab

Hamburg, den 27.04.2010 Entgegen der erstinstanzlichen Urteile des Landgerichts Hamburg wies das in zweiter Instanz zuständige Hanseatische Oberlandesgericht die Klagen von zwei geschädigten Anlegern in ähnlich gelagerten Schadensersatzprozessen mit Urteilen vom 23.04.2010 (Az: 13 U 117/09 und 13 U 118/09) ab. Die Kläger hatten in den Jahren 2006 und 2007 auf Empfehlung der Hamburger Sparkasse Lehman-Zertifikate erworben.

In beiden Fällen sah das Oberlandesgericht keine Verletzung von Beratungspflichten durch die Sparkasse. Der Vorsitzende Richter führte in seiner mündlichen Urteilsbegründung aus, die Beklagte habe die Kläger vor dem Erwerb der Zertifikate insbesondere nicht über die Höhe der Gewinnmarge aufklären müssen. Diese stehe nicht im Zusammenhang mit der von den Klägern gewünschten Sicherheit der Kapitalanlage; auch sei die sog. kick-back-Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auf die vorliegenden Fallkonstellationen nicht übertragbar.
Die Sparkasse habe auf die Bonität der Lehman Brothers Inc. vertrauen können, da diese zum Zeitpunkt der Anlageempfehlung ein gutes Rating gehabt hätte. Da mit der systemischen Finanzkrise und der Insolvenz der amerikanischen Bank nicht zu rechnen gewesen wäre, sei der Sparkasse kein Vorwurf zu machen. Dies beträfe auch den unterbliebenen Hinweis zur fehlenden Einlagensicherung: Da die Kläger auf ein allgemeines Emittentenrisiko hingewiesen worden seien, sei dies als ausreichend anzusehen.
Der Senat ließ in beiden Fällen die Revision zum Bundesgerichtshof, dem höchsten deutschen Zivilgericht, zu. Dieser soll insbesondere über die Fragen entscheiden, ob eine Bank im Rahmen der Anlageberatung einen Hinweis auf die von ihr erzielte Gewinnmarge aus einem Eigengeschäft erteilen muss. Außerdem wurde bislang höchstrichterlich noch nicht entschieden, ob neben einem Hinweis auf ein Emittentenrisiko zusätzlich über das Nichteingreifen einer Einlagensicherung aufzuklären ist.

Die Urteile des Hanseatischen Oberlandesgerichts, so Rechtsanwältin Dr. Ina Becker von der Kanzlei Dr. Ina Becker in Hamburg, überzeugten weder vom Ergebnis, noch in ihrer Begründung. In der höchstrichterlichen Rechtsprechung sei insbesondere anerkannt, dass eine Bank bei allen Arten von Interessenskonflikten eine Verpflichtung zur ungefragten Offenlegung trifft, die aus der vertraglichen Interessenswahrungspflicht gegenüber dem Kunden folge. Unter diesem Aspekt habe die Sparkasse nicht nur auf die Gewinnmarge, sondern selbstverständlich auch auf die fehlende Einlagensicherung hinweisen müssen, um die Kläger in die Lage zu versetzen, eine informierte Anlageentscheidung treffen zu können.


Ebenso habe die Sparkasse überlegenes Wissen bezüglich sog. Rating-Verfahren, die bereits seit vielen Jahren in der Literatur äußerst kritisch bezüglich ihrer behaupteten Informationstransparenz und –effizienz gesehen würden. Es müsse außerdem zwischen dem Rating der emittierenden Bank und dem jeweiligen Investment-Rating differenziert werden, so Rechtsanwältin Dr. Ina Becker.

Nach Auffassung von Rechtsanwältin Dr. Ina Becker in Hamburg, die auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert ist und zahlreiche Fälle geschädigter Kapitalanleger bearbeitet, ist in allen Lehman-Fällen dringend anzuraten, Schadensersatzansprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung prüfen zu lassen.

27.04.2010 15:46

Das könnte auch Sie interessieren:

Lehman:

BGH Urteile zu Lehman Brothers - auch eine Chance für Geschä...
München, September 2011; Lang hatten die Anleger auf Urteile des Bundesgerichtshofs zum Thema Lehman-Pleite gewartet. Am 27.09.2011 entschied der Bundesgerichtshof nunmehr in zwei Verfahren – Az XI ZR 178/10 und XI ZR 182/10 – über Klagen von...

Lehman-Kläger scheitern mit ihren Forderungen vor dem BGH
Es ist ein Stück Aufarbeitung der Finanzkrise von 2008. Die Kläger in den jetzt entschiedenen Fällen erhofften sich Schadensersatz von Ihren Banken, die sie wegen der Verletzung von Aufklärungspflichten in Anspruch nahmen. Mit Urteilen vom 27....

Lehman-Anleger: Warum der BGH bei versteckten Gewinnmargen k...
Mit seinem Urteil vom 27.09.2011 (Az. XI ZR 178/10 und Az. XI ZR 182/10) hat der Bundesgerichtshof die Klagen zweier Lehman-Anleger abgewiesen, die bei ihrer Sparkasse Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung geltend machen wollten. Zur...

Haspa:

Kundentypologisierung ist ein wichtiger Schritt zur guten Be...
GOING PUBLIC! äußert sich zu Kundentypologisierung und Kritik an der HASPA („ekelhaft“). Berlin, 10. November 2010 - In den letzten Wochen waren mehrere Veröffentlichungen zu der Kundentypologie der Haspa zu lesen. Das Vorgehen der Haspa wurde...

Hamburger Sparkasse:

Landgericht Hamburg: Bei Baufinanzierung mit Tilgungsersatz ...
Hamburg, den 28.11.2011 Bei Darlehen mit endfälliger Tilgung, die an eine Kapital-Lebensversicherung gekoppelt werden, ist selbst unter Baufinanzierungsexperten anerkannt, dass sich dieses Finanzierungsmodell zumeist nicht lohnt. Sofern eine...

Anlegerberatung:

Vorsicht Haftung - Geschlossene Immobilienfonds für Stiftung...
Hamburg, den 23.08.2017 Zwischen einer anlageberatenden Stelle und dem Vorstand einer Stiftung sind die Risikosphären verteilt. Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt in einem Berufungsverfahren mit Urteil vom 21.06.2017, Az. 17 U 160/16....

Λ nach oben

Stichwort-Suche:

Pressemitteilung von:

Logo: Rechtsanwältin Dr. Ina Becker


Rechtsanwältin Dr. Ina Becker

Kanzlei Dr. Becker
Fuhlentwiete 14
20355 Hamburg
Tel.: +49 (0)40/309 974 860
Fax: +49 (0)40/309 974 862
E-Mail:becker@bankrecht-dr-becker.de
www.bankrecht-dr-becker.de

Die Kanzlei Dr. Becker ist zivil- und wirtschaftsrechtlich ausgerichtet. Schwerpunkte sind Bankrecht und Kapitalmarktrecht. Wir stehen Ihnen auch in Wirtschaftsstrafsachen und bei Rechtsstreitigkeiten mit internationalem...

mehr »

 

 


Hinweis: Um Ihnen ein optimales Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden.   Nachricht schließen   mehr info