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Leon Koen in Belgrad und München - Vorarbeiten zur Ausstellung

Belgrad 5.11.2009. Es kam schon einer kleinen Sensation gleich, was die drei Kunsthistoriker Dr. Martin H. Schmidt, Tijana Stjiljkovic, Dr. Nikola Suica in dem für das Publikum seit Jahren geschlossenen Nationalmuseum in Belgrad sehen durften.
Die Direktorin des Museums, Frau Vojislava Radovanovic, hatte für die Wissenschaftler das Depot geöffnet und acht der zehn Gemälde Koens zur Besichtigung freigegeben. So konnte anhand von rückseitigen Stempeln nachgewiesen werden, dass Leon Koen die Malpappe von der englisch Traditionsfirma Winsor&Newton nutzte; seine Keilrahmen und Leinwände aber von der Münchner Firma Bayerle in der Theresienstraße 28 bezog. Dies darf als Marginalie angesehen werden.
Sensationell dagegen waren die Ergebnisse der gemeinsamen Inspektion des großformatigen Gemäldes "Frühlingssymphonie" im Vergleich zu den beiden erhaltenen Personenporträts. Leon Koens malerisch-handwerkliche Qualitäten zeigt er in diesen beiden Bildnissen, die eine klare Handschrift, die meisterhafte Beherrschung der Ölmalerei, von Lichtsetzung und Komposition beweisen, hier sieht man ihn als treuen Schüler der Münchner Akademie.
Tijana Stojiljković, Dr. Martin H. Schmidt und Dr. Nikola Suica im (geschlossenen) Nationalmuseum in Belgrad vor dem Gemälde "Frühlingssymphonie" von Leon Koen aus dem Jahr 1900

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Wahrhaft modern jedoch wird Koen in seinen mythologischen Szenen, wie in der um 1900 entstandenen "Frühlingssymphonie". Hier entpuppt sich der Künstler als ein Maler der Moderne, er verzichtet bewusst auf die Zentralperspektive, lässt am vorderen Bildgrund einen Fries von Putten und Tieren vor der Hauptszene vorbeiziehen, die Anatomie der Figuren ist bewusst verfremdet und besonders die Arme unnatürlich gelängt, im Vordergrund steht eine kolossale Wächterfigur, dem Betrachter den Rücken zuwendend und mit dem immer wiederkehrenden Koen-Motiv, der nach oben gestreckten Hand, zum Himmel weisend. Zeus, Apollon oder doch nur ein schöner Jüngling (?) sitzt nur leicht bekleidet auf einer Exedra, seine feuerrote Toga ist heruntergerutscht, hinter ihm steht eine harfespielende Musikerin, weissgewandet und leicht nach vorne gebeugt. Ihnen gegenüber aber, im Zentrum der Komposition und des Bildformates, hochaufrecht, unbekleidet und von einem Stoffschleier hinterfangen, erscheint Thallo, Göttin des Frühlings. Sie reicht dem Jüngling einen Zweig.
Koen führt seine Malerei in tupfender und kurzstrichiger Manier aus, viele Flächen lässt er frei stehen und gibt somit den Untergrund der Malpappe frei. Für ein Gemälde, das um 1900 entstanden ist eine höchst eigenwillige und ungewöhnliche Vorgehensweise, zumal in einer Bildgröße von 74 x 102 cm. Noch eigenwilliger aber ist der Verzicht auf die Wiedergabe von Gesichtszügen, ähnlich wie der italienische Erfinder und Hauptvertreter der Pittura Metafisica, Giorgio de Chirico ab 1910 in seinen Gemälden, lässt Koen bereits um 1900 seine Agitatoren zu Puppen werden und das nicht nur in der "Frühligssymphonie", sondern auch in anderen Gemälden findet sich dieses Weglassen der Physiognomie wieder. Ist dies bereits ein Symptom seiner später deutlich herausbrechenden Geisteskrankheit oder schlichtweg ein Zeichen seiner Modernität jenseits des Talars der Akademie ?

So wird die Ausstellung der Werke Koens in München weitere Entdeckungen mit sich ziehen. Zwischenzeitlich wurden bereits von Tijana Stojiljkovic und von Dr. Nikola Suica zwei weitere Gemälde Koens, einmal in einer Privatsammlung und einmal in einem Museumsarchiv (wieder)aufgefunden.

Leider ist der Ausstellungsort in München noch immer nicht gefunden; doch arbeiten hieran die Wissenschaftler mit Hochdruck. Vorgesehen sind die Präsentation der beiden Porträts, der "Frühlingssymphonie", des tiefroten Bildes "Pogrom", der Kellerszene "Der alte Jude" und einer Skizze zur "Frühlingssymphonie". Diese Gemälde werden dem Publikum einen guten Einblick in das Werk Leon Koen verschaffen, gleichzeitig sollen sie neugierig machen auf weitere Ausstellungen und weitere Aufarbeitungen des Lebenswerkes des zu Unrecht vergessenen, hochmodernen Malers Leon Koen.

Dr. Martin H. Schmidt
Oberursel, 10. November 2009

Bilddateien:


Tijana Stojiljković, Dr. Martin H. Schmidt und Dr. Nikola Suica im (geschlossenen) Nationalmuseum in Belgrad vor dem Gemälde "Frühlingssymphonie" von Leon Koen aus dem Jahr 1900
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10.11.2009 12:35

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